Samstag, 30.07.11 um 15:05 Uhr
Atemschaukel
Von Herta Müller
„Es war drei Uhr in der Nacht zum 15. Januar 1945, als die Patrouille mich holte.“ So beginnt der Bericht des 17-jährigen Leopold über seine Deportation aus Siebenbürgen in ein Lager in Russland. Im Januar 1945 wurden auf Anweisung Stalins alle arbeitsfähigen Männer und Frauen deutscher Herkunft zwischen 17 und 45 Jahren, die in Rumänien lebten, in Arbeitslager deportiert. Viele kamen dabei ums Leben. Leopold, die Hauptfigur von Herta Müllers Roman, erzählt vom Hunger, der Kälte, dem Grauen sowie von seinen Überlebenstechniken vor allem durch die Sprache und die Kraft der Imagination. Seine Geschichte ist angelehnt an die Erfahrungen des rumäniendeutschen Lyrikers Oskar Pastior, mit dem Herta Müller dieses Buch ursprünglich gemeinsam schreiben wollte, doch Pastior verstarb 2006.
Herta Müller, 1953 in Nitzkydorf/Rumänien geboren, lebt seit 1987 als Schriftstellerin in Berlin. 1984 erschien ihr erstes Buch „Niederungen“ in unzensierter Form in der Bundesrepublik. Noch nach ihrer Übersiedlung wurde sie von der Securitate überwacht und drangsaliert. 2009 erhielt Herta Müller mit dem Nobelpreis für Literatur die weltweit ranghöchste literarische Auszeichnung. Erst 2010 wurde bekannt, dass auch ihr Freund Oskar Pastior vor seiner Übersiedlung nach Deutschland als „inoffizieller Mitarbeiter“ der Securitate tätig war.
Mit Alexander Fehling, Vadim Glowna, Otto Mellies, Maria Kwiatkowsky, Dagmar Manzel u. a.
Bearbeitung und Regie: Kai Grehn
Produktion: NDR 2010/60’
(gekürzte Fassung)
Redaktion: Isabel Platthaus
- Hörprobe
- Herta Müller [Wikipedia]













