Neben den Tagen Alter Musik in Herne Mitte November stellt der WDR auch über das Jahr verteilt in einem guten Dutzend Konzerten die neuesten Entwicklungen auf dem weiten Feld der Alten Musik vor, als Veranstalter der WDR 3 Funkhaus-Konzerte Alte Musik in Köln und innerhalb der Reihe WDR 3 Alte Musik in NRW als Partner herausragender Konzertstätten im ganzen Land.
Die Programme der eingeladenen Solisten und Ensembles spannen dabei einen weiten Repertoirebogen von der Musik des Mittelalters über Renaissance, Barock, Klassik und Romantik bis hin zu zeitgenössischen Reflektionen über das Alte.
Freitag, 10. Februar 2012, 18:00 Uhr
Funkhaus Köln
Die „Goldberg-Variationen“ gelten als der bedeutendste Variationszyklus des musikalischen Barock. Florian Birsak, am Cembalo in seiner Heimatstadt Salzburg und in München ausgebildet und Preisträger internationaler Wettbewerbe, stellt sie im Kölner Funkhauskonzert in ihrer ganzen Bandbreite vor. Die Basslinie der einleitenden Aria ist Basis und roter Faden der 30 Variationen, von denen jede dritte als Kanon angelegt ist. Tritt uns Bach hier als der große Kontrapunktiker entgegen, erweist er sich in den übrigen Variationen als Cembalovirtuose und Meister stilisierter Tanzsätze. In der dreißigsten Variation, dem Quodlibet, verknüpft Bach schließlich auf kunstvollste Weise zwei Volkslieder.
Sonntag, 11. März 2012, 17:00 Uhr
Köln, Belgisches Haus
Was heute die CD ist, war dem vermögenden Musikliebhaber der Wiener Klassik seine „Harmonie“, ein Ensemble mit meist paarweise besetzten Blasinstrumenten, das für die richtige Stimmung bei Tische und im Salon sorgte. Das Amphion Bläseroktett bietet echte Highlights aus dem umfangreichen Harmoniemusik-Repertoire, darunter Ludwig van Beethovens berühmtes Es-dur-Septett op. 20 für Klarinette, Horn, Fagott und Streicher in einer Bearbeitung des Oboisten Georg Druschetzky.
Freitag, 30. März 2012, 20:00 Uhr
Mönchengladbach, Schloss Rheydt
Geradezu unverzichtbar waren die Bassinstrumente in der Ensemblemusik der Barockzeit als begleitendes harmonisches Fundament des musikalischen Satzes. Doch haben die Komponisten seinerzeit keineswegs die solistischen Qualitäten von Gambe, Violoncello, Gitarre, Laute & Co. aus dem Blick verloren. Das international besetzte Ensemble Bassorum Vox um den Koreaner Seung-Yeon Lee hat die besonderen Reize der alten Ensemblemusik für Bassinstrumente wiederentdeckt. Im Schloss Rheydt widmet es sich der Musik des französischen Hochbarock, in dem der italienische Musikstil auch in Paris Fuß fassen konnte und sich dort vor allem ein Instrument als virtuoser »rising star« entpuppte: das Violoncello.
Konzert-Rückblick
WDR 3 Alte Musik in NRW
Montag, 6. Februar 2012, 20:00 Uhr
Bonn, Arithmeum
„Terzetti – Unterhaltungsmusik aus dem 18. Jahrhundert“. Musik für drei Bassetthörner und drei Chalumeaux von Christoph Graupner, Wolfgang Amadeus Mozart, Anton Stadler, Vojtech Nudera u. a.
Der ungarische Graf Georg Andrássy war ein Liebhaber des Bassetthorns. Drei dieser tiefen Klarinetten aus seinem Besitz haben sich bis heute erhalten – Grund genug für Nicola Boud, Ernst Schlader und Marcus Springer, ihr auf historischen Blasinstrumenten spielendes Trio nach dem musikalischen Adelsmann zu benennen. Im Bonner Arithmeum stellen sie einige Originalkompositionen für ihre Besetzung vor, darunter ein Divertimento von Wolfgang Amadeus Mozart, aber auch eine Suite des Darmstädter Hofkomponisten Christoph Graupner, der noch für das barocke Chalumeau schrieb. Außerdem warten sie mit einem reiz-vollen Potpourri aus Opern-Gassenhauern in Arrangements des späten 18. Jahrhunderts auf, die sie u. a. in der Sammlung Klösterle in Tschechien gefunden haben.
Andrássy Trio
Nicola Boud, Ernst Schlader und
Marcus Springer, Bassetthorn, Chalumeau
Sendung:
WDR 3 Vesper
Samstag, 18. Februar 2012, 18:05 Uhr
WDR 3 Sonntagskonzerte Alte Musik – Forum Alte Musik Köln
Sonntag, 5. Februar 2012, 17:00 Uhr
Köln, Trinitatiskirche
Georg Friedrich Händel
„Aci, Galatea e Polifemo“
Serenata a 3 (Neapel 1708)
Mit dramatischen Kantaten und Serenaten, die auch abseits der Bühne musikalische Unterhaltung auf Opernniveau boten, zog der junge Georg Friedrich Händel das italienische Publikum in seinen Bann. Ein Geniestreich gelang ihm mit der Serenata „Aci, Galatea e Polifemo“ nach Ovids „Metamorphosen“, die er 1708 für eine Fürstenhochzeit in Neapel komponierte. Dieses hinreißende Werk präsentiert der Kölner Händel-Spezialist Peter Neumann mit den Instrumentalisten seines Collegium Cartusianum und einem erlesenen Trio international renommierter Experten barocker Gesangskunst.
Aci: Valer Barna-Sabadus, Countertenor
Galatea: Stefanie Irányi, Mezzosopran
Polifemo: Wolf Matthias Friedrich, Bass
Collegium Cartusianum
Leitung: Peter Neumann
Sendung:
WDR 3 Konzert
Samstag, 18. Februar 2012, 20:05 Uhr
WDR 3 Funkhauskonzert Alte Musik
Freitag, 3. Februar 2012, 20:00 Uhr
Funkhaus Köln
Felix Mendelssohn Bartholdy
Sinfonie Nr. 2 B-dur, op. 52 „Lobgesang“
Keine Imitation von Beethovens Neunter Sinfonie, sondern eine originelle Umsetzung des eigenen künstlerischen Credos stellt Felix Mendelssohn Bartholdys „Lobgesang“ von 1840 dar, eine „Symphonie-Cantate nach Worten der Heiligen Schrift“, die große Orchesterklänge mit der auf Bach und Händel fußenden Gesangs-kultur der protestantischen Kirchenmusik verbindet. Das Werk bildet den eindrucksvollen romantischen Auftakt zum 2. Kölner Fest für Alte Musik, bei dem Christoph Spering mit drei Gesangssolisten, seinem Chorus Musicus und seinem Neuen Orchester zeigt, wie Historische Aufführungspraxis im sinfonischen Repertoire des 19. Jahrhunderts klingt.
Claudia Barainsky, Sopran
Dana Marbach, Sopran
Christoph Genz, Tenor
Chorus Musicus Köln
Das Neue Orchester
Leitung: Christoph Spering
Sendung:
WDR 3 Konzert
Donnerstag, 1. März 2012, 20:05 Uhr
WDR 3 Alte Musik in NRW
Freitag, 20. Januar 2012, 20:00 Uhr
Kempen, Paterskirche
„Virgo prudentissima“
Marienverehrung am polnischen Königshof in Werken des 17. Jahrhunderts von Marcin Mielczewski, Adam Jarzebski und Mikolaj Zielenski
Wie fast überall in Europa, so stand im 17. und 18. Jahrhundert in Polen die italienische Musik besonders hoch im Kurs. Vom vielgestaltigen konzertanten Wechselspiel nach venezianischem Vorbild ließen sich auch die einheimischen Musiker am Warschauer Königshof und in den Diensten kunstsinniger Fürstbischöfe inspirieren. Besondere Perlen dieses Repertoires entsprangen dabei der bis heute tief in der polnischen Kultur verwurzelten Marienverehrung. In Kempen stellt Manfred Cordes mit seinem Ensemble Weser-Renaissance ein eindrucks-volles Programm mit Werken der Hofmusiker Marcin Mielczewski, Adam Jarzebski und Mikolaj Zielenski vor, das von intimen Kammerbesetzun-gen bis zur prachtvollen Dreichörigkeit von drei-zehn Vokal- und Instrumentalstimmen reicht.
Weser-Renaissance Bremen
Leitung: Manfred Cordes
Sendung:
WDR 3 Musikhaus
Sonntag, 3. Juni 2012, 13:04 Uhr
WDR 3 Sonntagskonzerte Alte Musik – Forum Alte Musik Köln
Sonntag, 18. Dezember 2011, 17:00 Uhr
Köln, Trinitatiskirche
Divinum misterium
Iberische Musik des Mittelalters zur Advents- und Weihnachtszeit aus dem Zisterzienserinnenkloster Las Huelgas und aus traditionellen liturgischen Traditionen
In die geistlichen Klangwelten des mittelalterlichen Spaniens entführt der gemeinsame Auftritt von Ars Choralis Coeln und dem dänischen Flötisten und Perkussionisten Poul Høxbro. Es verknüpft die Lieder des Zisterzienserinnenklosters Las Huelgas aus der Zeit um 1300 mit der bis heute lebendigen Praxis von „la gaita y el tamboril“, dem Einsatz von Einhandflöte und Trommel in der Mess-Liturgie. Maria Jonas hat für das vorweihnachtliche Konzert eine spannende Dramaturgie entwickelt, in der instrumentale Estampien auf Basis traditioneller salamankischer Offertorien den berückenden Liedgesang der Frauenstimmen umranken.
Ars Choralis Coeln
Leitung: Maria Jonas
Poul Høxbro, Einhandflöte und Trommel
Sendung:
WDR 3 Konzert
Freitag, 23. Dezember 2011, 13:04 Uhr
WDR 3 Alte Musik in NRW
Freitag, 2. Dezember 2011, 20:00 Uhr
Kempen, Paterskirche
Luther in Rom
Ein musikalischer Ortstermin anno 1511 mit Musik von Petrus Roselli, Eustachio Romano, Josquin Desprez, Filippo De Lurano, Jehan Mouton, Jean Ambrosio Dalza, Bartolomeo Trombocino, Costanzo Festa u. a.
„Eine Hölle auf Erden“ soll Martin Luther die Stadt Rom im Zusammenhang mit seiner Pilgerreise von 1511 genannt haben. Hatte er Recht? Fünfhundert Jahre später versucht Concerto Romano mit Singstimmen und Instrumenten eine Art „Soundtrack“ seines Aufenthaltes zu rekonstruieren, ausgehend von römischen Musikeditionen dieser Jahre, den Repertoires der städtischen Kapellen und ganz allgemein von Werken, die damals auf der Apennin-Halbinsel als „Hits“ galten und deren Melodien der Gast aus dem Norden nicht so leicht vergessen haben dürfte. Nach der Premiere im Vatikan im vergangenen Februar bildet das Konzert in Kempen die zweite Aufführung dieses Programms durch das junge vokal-instrumentale Ensemble um Alessandro Quarta. Es darf auch als Einstimmung auf das neue Jahr der Luther-Dekade verstanden werden, steht 2012 doch unter dem Motto „Luther und die Musik“.
Concerto Romano
Leitung: Alessandro Quarta
Sendung:
WDR 3 Konzert
Donnerstag, 12. Januar 2012, 20:05 Uhr
WDR 3 Sonntagskonzerte Alte Musik – Forum Alte Musik Köln
Sonntag, 20. November 2011, 17:00 Uhr
Forum Volkshochschule im Rautenstrauch-Joest-Museum
„Mais tout parle d’ amour – Aber alles spricht von der Liebe“
Musik des 14. bis 20. Jahrhunderts von Francesco Landini, William Byrd, John Playford, Diego Ortiz, Pierre Sandrin, Antonio Vivaldi, Michel Pignolet de Montéclair, Dietrich Buxtehude, Claude Debussy u.a.
Flautando Köln
Katharina Hess, Susanne Hochscheid, Kerstin de Witt, Blockflöten
Ursula Thelen, Gesang und Blockflöten
Sendung:
WDR 3 Konzert
Montag, 2. Januar 2012, 20:05 Uhr
WDR 3 Funkhauskonzert Alte Musik
Freitag, 18. November 2011, 18:00 Uhr
Funkhaus Köln
Leclairs Rivalen.
Kammermusik für Violine und Cembalo von Louis-Gabriel Guillemain, Jean-Baptiste Cardonne, Jean-Pierre Guignon, Jacques Duphly und Jean-Marie Leclair
Jean-Marie Leclair war aus heutiger Sicht der wichtigste Violinist im Frankreich des 18. Jahrhunderts. Sein musikalischer und geigerischer Einfluss war so groß, dass man ihn gar als Begründer der französischen Violinschule bezeichnet. 1733 mündeten seine Erfolge in einer Stellung am Hofe Ludwigs XV. als „ordinaire de la musique du roi“. Doch hier begann auch seine musikalische Fehde mit Jean-Pierre Guignon, die ihn vier Jahre später den Dienst bei Hofe quittieren ließ. Leila Schayegh und Jörg Halubek stellen die beiden Rivalen in zwei exemplarischen Violinsonaten einander gegenüber, beleuchten in ihrer Werkauswahl aber auch noch eine andere Rivalität, die mit persönlichen Fehden nichts zu tun hat und immer wieder ganz natürlich entsteht: jene zwischen den Generationen.
Leila Schayegh, Violine
Jörg Halubek, Cembalo
Sendung:
WDR 3 Vesper
Samstag, 3. Dezember 2011, 18:05 Uhr
Tage Alter Musik in Herne: „Alter Ego“
Arbeitsgemeinschaften, Rollenspiele und heimliche Passionen in der Musik vom Mittelalter bis zur Romantik
Zehn Konzerte des WDR vom 10. bis 13. November 2011
Donnerstag, 10. November 2011, 19:00 Uhr
Herne, Kulturzentrum
„Austro-Scotch“
Schottische Volkslieder von Joseph Haydn und aus der Folk-Tradition
Um 1800 erfreuten sich kunstvolle Bearbeitungen schottischer Lieder in den vornehmen bürgerlichen Salons in Edinburgh und Glasgow großer Beliebtheit. Dortige Verleger beauftragten kontinentale Komponisten mit entsprechenden Arrangements. Joseph Haydn war besonders gefragt. Dabei nahm es der fast Siebzigjährige nicht immer ganz genau mit der Urheberschaft: viele der Bearbeitungen übertrug er seinen Schülern und verkaufte sie unter eigenem Namen. Auch als Geschäftsmann entwickelte er ein Alter Ego: „Ihr Kollege Mr. Whyte zahlt mir das Doppelte pro Stück“, schrieb er an den Verleger George Thomson. Der Beliebtheit seiner Scots Songs und Scottish Airs schadete das nicht. Auch deshalb, weil viele der Liedtexte von Robert Burns stammten. Keiner traf so genau die Stimmung der schottischen Volksseele wie der jung verstorbene Nationaldichter. Das klassische Trio Haydn mit der Sängerin Lorna Anderson und das schottische Duo The Cast stellen Kunstlied und Folk-Song einander gegenüber.
Lorna Anderson, Sopran
Trio Haydn:
Verena Stourzh, Violine
Clemens Zeilinger, Klavier
Erich Oskar Huetter, Violoncello
The Cast:
Mairi Campbell, Gesang und Fiddle
David Francis, Gesang und Gitarre
Sendung:
WDR 3 Konzert
Donnerstag, 24. November 2011, 20:05 Uhr
Donnerstag, 10. November 2011, 21:30 Uhr
Herne, Kreuzkirche
„Judith“
Eine biblische Geschichte, nach der „Judita“ von Marko Marulic (Venedig 1501) und mittelalterlichen kroatischen Agonien zusammengestellt von Katarina Livljanic
Die biblische Geschichte von Judith und Holofernes schildert ihre Protagonisten als Menschen mit großen inneren Widersprüchen und seelischen Konflikten: Da ist zum einen die gottesfürchtige jüdische Witwe, die ihre sinnlichen Reize einsetzt, um sich Gelegenheit zu verschaffen, einen grausamen Mord zu begehen. Da ist auf der anderen Seite der mächtige assyrische Heerführer, der von der Liebe und vom Alkohol berauscht zum willenlosen Opfer wird. Bis heute beflügelt diese Geschichte die künstlerische Phantasie, wie das Ensemble Dialogos in seiner Adaption der „Judita“ von Marko Marulic zeigt, dem Vater der kroatischen Literatur. Katarina Livljanic setzt die Verse aus Marulics 1501 vollendetem Epos in Beziehung zu allegorischen Dialogen aus Klagegesängen des mittelalterlichen Dalmatiens. In sparsamer Szenerie und unterstützt von Flöte und Streichinstrument begibt sie sich in der archaischen Sprache und Melodik der glagolitischen Liturgie auf den Weg in die Tiefen der Seele.
Dialogos:
Katarina Livljanic, Gesang und Leitung
Albrecht Maurer, Fidel und Lirica
Norbert Rodenkirchen, Flöten und Dvojnice
Sanda Herzic, Lichtdesign und Regie
Sendung:
WDR 3 Konzert
Donnerstag, 1. Dezember 2011, 20:05 Uhr
Freitag, 11. November 2011, 16:00 Uhr
Herne, Kreuzkirche
„Pergolesi – Pergolesi?“
Geistliche Vokal- und Instrumentalmusik, von Giovanni Battista Pergolesi komponiert oder ihm zugeschrieben
40 Bände umfasste die erste Gesamtausgabe der Werke Giovanni Battista Pergolesis. Fast unmittelbar nach ihrem Erscheinen zwischen 1939 und 1942 regten sich erste Zweifel, ob und wie der mit nur 26 Jahren verstorbene Pergolesi so viel Musik komponieren konnte. In der Tat hatte der Mythos um seinen frühen Tod 1736 und sein berühmtes Stabat Mater zu einer inflationären Fülle an Pergolesi-Zuschreibungen geführt – vorzugsweise bei Noten, die im 18. Jahrhundert teuer an ausländische, oft englische Musikliebhaber verkauft wurden. Selbst im 19. Jahrhundert verdienten geschickte Fälscher noch Geld mit vermeintlichen Pergolesi-Autographen, die oft in renommierte Bibliotheken gelangten. Heute können viele dieser Werke meist unbekannten süditalienischen Komponisten zugeordnet werden, die nicht einmal Zeitgenossen von Pergolesi waren. Antonio Florio stellt einige der Pergolesi-Apokryphe neben authentische Werke des Meisters und präsentiert dieses außergewöhnliche Programm mit seinem Ensemble I Turchini in der Kreuzkirche Herne zum ersten Mal.
Paola Cigna, Sopran
Filippo Mineccia, Altus
I Turchini
Leitung: Antonio Florio
Sendung:
WDR 3 Konzert
Samstag, 10. Dezember 2012, 20:05 Uhr
Freitag, 11. November 2011, 19:00 Uhr
Herne, Kulturzentrum
„Graun – Who’s who?“
Sinfonien, Concerti und Kantaten von Johann Gottlieb Graun und Carl Heinrich Graun
„Mit den Herren Grauens wird gemeiniglich eine Confusion, die schönsten und feurigsten mit Douceur melierten Sinfonien sind nicht von dem berühmten Herrn Capellmeister, sondern von seinem Herrn Bruder dem Concertmeister.“ – Schon zu ihren Lebzeiten gab es über das musikalische Schaffen der Brüder Carl Heinrich und Johann Gottlieb Graun manche Verwirrung, wie der Brief beweist, den der Dresdner Konzertmeister Johann Georg Pisendel Ende 1750 an seinen Freund Georg Philipp Telemann in Hamburg schrieb. Und je weiter man sich vom Hof des Preußenkönigs Friedrich II. entfernte, bei dem sowohl der hervorragende Sänger Carl Heinrich als Kapellmeister wie auch der Ausnahme-Geiger Johann Gottlieb als Konzertmeister jahrzehntelang an führenden Positionen in Lohn und Brot stand, desto größer war die Unsicherheit, wer von beiden denn nun dieses oder jenes in der Musikwelt unter dem Namen „Graun“ kursierende Stück komponiert hatte. Trotz modernster musikwissenschaftlicher Analysemethoden ist man da heute auch nicht immer schlauer. Daher stellt Michael Schneider in Herne die im friderizianischen Berlin tonangebenden Brüder in exemplarischen Kompositionen einander gegenüber – und außerdem das ein oder andere in der Autorschaft fragliche Graun-Werk zur Diskussion.
Ulrich Cordes, Tenor
Ingeborg Scheerer, Violine
Sabine Bauer, Cembalo
La Stagione Frankfurt
Leitung: Michael Schneider, Blockflöte
Sendung:
WDR 3 Konzert live
Samstag, 12. November 2011, 11:00 Uhr
Herne, Westfälisches Museum für Archäologie
Kulturpolitisches Forum WDR 3
Podiumsdiskussion zum Thema „Mythos oder Konsumartikel? – Über die subjektive Relevanz von Musik“
Wie wirkt Musik? Wie erlebt sie der Zuhörer, der oft auch ein Zuschauer ist? Dieser grundsätzlichen Frage kann man sich aus verschiedensten Blickwinkeln nähern. Im 20. Jahrhundert wurde die schon von den Theoretikern des Mittelalters getroffene Unterscheidung in Volks-und Kunstmusik im deutschsprachigen Medienbereich von einer Kategorisierung in U(nterhaltungs)- und E(rnste)-Musik abgelöst. Eine solche Kategorisierung ist problematisch. Zum einen erhebt sie die subjektive Wirkung eines Musikwerks zum objektiven Kriterium. Zum anderen zieht sie weitreichende Konsequenzen für die gesellschaftliche und kulturpolitische Relevanz eines Musikwerks nach sich – für seine Positionierung auf dem Musikmarkt und in den Medien. Unversehens befindet man sich in einer Debatte um die so genannte Hochkultur, wie sie jüngst in der Wochenzeitung DIE ZEIT geführt wurde. „Kultur sollte behandelt werden wie Nachtisch“, formulierte die Autorin Kathrin Passig in einem Interview, das sich als Kommentar verstehen lesen ließ zu einem Beitrag Thomas Assheuers. Der sieht die Hochkultur einerseits fern und fremd vom Alltagsleben angesiedelt, andererseits nah schon wegen der Fülle des Angebots, das nicht selten nur noch als Ansammlung von ›Premium-Events‹ erlebt wird. Zu diskutieren wäre auch, wie abhängig die Wirkung der Musik vom Kontext ist, vom Ambiente z. B. eines Konzertsaals oder einer Kirche oder vom Fehlen des Musik-Raums im Radio, von der Vorbildung des Rezipienten. Jenseits von äußeren Umständen ist es aber auch die Machart der Musik selbst oder deren Interpretationsart, die entweder das Erleben befördern oder behindern kann. Die Klavierkunst eines Glenn Gould ist eine rein musikalische, sogar musikalisch-strukturelle Angelegenheit. Das seltsame Gebaren des Pianisten stört den Nachvollzug, wird bestenfalls hingenommen. Goulds Version der Goldbergvariationen oder gar seine Transkription einer Beethoven-Symphonie faszinieren als rein musikalisches Phänomen. Das Kulturpolitische Forum WDR 3 sucht nach Antworten.
Moderation: Richard Lorber
Sendung:
WDR 3 Forum
Sonntag, 13. November 2011, 19:05 Uhr
Samstag, 12. November 2011, 16:30 Uhr
Herne, Akademie Mont-Cenis
„Der Baron und die Muse“
Kantaten und Instrumentalmusik von Emanuello Rincón d’Astorga und aus seinem sizilianisch-römischen Umfeld
Emanuello Gioacchino Cesare Rincón, Baron von Astorga, entstammte einer ebenso alten wie schillernden sizilianischen Adelsfamilie mit spanischen Wurzeln. Das Leben des einfluss-reichen Politikers, Diplomaten, Abenteurers und Komponisten (1680 – 1757?) glich einem Roman – nicht von ungefähr wurde er 1866 gar zum Titelhelden einer Oper. Als junger Mann reiste d’Astorga durch halb Europa, bis er, zurück in Sizilien, das Amt eines Senators antrat. Mit 41 Jahren verließ er seine Heimat für immer und wandte sich ganz der Musik zu. Eine besondere Beziehung verband ihn dabei mit Vater und Sohn Scarlatti – Alessandro sein musikalisches Idol, Domenico ein enger Freund. Neben seinem berühmt gewordenen Stabat Mater und einer Reihe von Bühnenwerken sind fast 170 Kantaten aus d’Astorgas Feder überliefert, die meisten für Solostimme und Continuo. Solchen italienischen Kammerkantaten des Barocks mit ihren intellektuellen Rollenspielen und Selbstbetrach-tungen widmen sich der Sizilianer Salvatore Carchiolo und sein Ensemble Lo Specchio di Narciso mit Vorliebe. In der Akademie Mont-Cenis in Herne gibt die Formation ihr Deutschland-Debüt gemeinsam mit der Sopranistin Emanuela Galli.
Emanuela Galli, Sopran
Lo Specchio di Narciso:
Alessandro Palmeri, Violoncello
Pietro Prosser, Erzlaute und Barockgitarre
Salvatore Carchiolo, Cembalo
Sendung:
WDR 3 Konzert
Donnerstag, 15. Dezember 2011, 20:05 Uhr
Samstag, 12. November 2011, 20:00 Uhr
Herne, Kulturzentrum
„Carl Broschi – Farinelli“
Arien für Farinelli von Riccardo Broschi, Geminiano Giacomelli,
Nicola Porpora, Leonardo Leo u. a. sowie Zitate aus Briefen Farinellis
Carlo Broschi ist die wohl bekannteste Sängerpersönlichkeit des
18. Jahrhunderts. Sein damaliger Ruhm ist nur mit dem heutiger Pop-Ikonen vergleichbar. Unzählige Zeitzeugen, Gesangstraktate, Romane, Biographien, fast ein Dutzend Bühnenwerke und ein Kinofilm beschäftigen sich mit – „Farinelli“! Gleich einem Initiationsritus ging der erste Erfolg eines Kastraten seinerzeit meist mit dessen „Taufe“ auf einen niedlichen Phantasienamen einher, der sich letztlich allein auf seine Stimme und deren Aura ewiger Kindheit bezog. Für Carlo Broschi sollte „Farinelli“ aber zeitlebens weit mehr sein als ein Bühnenname. Bis zuletzt war er sein Alter Ego, der sprichwörtlich „auftrat“, wenn er benötigt wurde, und von dem in Broschis Briefen, aus denen Folker Banik Auszüge lesen wird, stets in der dritten Person die Rede ist. Die Mezzo-sopranistin Ann Hallenberg singt Arien, die für Farinelli komponiert wurden. Begleitet wird sie vom renommierten Ensemble Les Talens Lyriques unter Christophe Rousset, das 1994 den Soundtrack zu dem Kinofilm „Farinelli, Il Castrato“ einspielte, 2011 sein 25-jähriges Bestehen feiert – und mit diesem Konzert sein Debüt in Herne gibt.
Ann Hallenberg, Mezzosopran
Folker Banik, Sprecher
Les Talens Lyriques
Leitung: Christophe Rousset
Sendung:
WDR 3 Konzert live
Samstag, 12. November 2011, 23:00 Uhr
Herne, Künstlerzeche Unser Fritz 2/3
„Florestan & Eusebius“
Klaviermusik von und für Clara Wieck und Robert Schumann
Gegen jedwedes konservativ-epigonenhafte „Philistertum“ der zeitgenössischen Musikwelt zog Anfang der 1830er Jahre ein kampfeslustiger „Davidsbund“ publizistisch zu Felde, dessen Mitglieder ausnahmslos Pseudonyme trugen. Gründer und führende Köpfe des Bundes waren „Florestan, der Wilde“ und „Eusebius, der Milde“. Hinter denen verbarg sich ein und dieselbe Person: Robert Schumann. In all den Diskursen der Davidsbündler, die Schumann in seinen Musik-Rezensionen aus dieser Zeit liefert, verschwimmen Realität und Fiktion freilich unauflösbar. Doch es gibt noch einen anderen Weg als den literarischen, will man die Alter-Ego-Existenzen Schumanns wieder lebendig werden lassen, und den geht Tobias Koch in Herne zu nächtlicher Stunde: Er spielt die Davidsbündlertänze op. 6 und die Pianoforte-Sonate op. 11. Beide Kompositionen, so besagen ihre originalen Titel, sind von Florestan und Eusebius komponiert. Die Sonate ist überdies Clara Wieck zugeeignet, ohne die Schumanns künstlerische Existenz nicht denkbar wäre – und daher dieser Abend auch nicht ohne ihre Klavierwerke.
Tobias Koch, Érard-Pianoforte
Sendung:
WDR 3 Konzert
Donnerstag, 22. Dezember 2011, 20:05 Uhr
Sonntag, 13. November 2011, 11:00 Uhr
Herne, Kulturzentrum„
„Die heimliche Liebe des Gaetano Donizetti“
Kompositionen für Streichquartett von Gaetano Donizetti und Franz Schubert
Gaetano Donizetti (1797 – 1848) ist heute ausschließlich als Opernkomponist bekannt, wobei kaum eine Handvoll seiner rund 70 Bühnenwerke auf den Spielplänen der Welt zu finden ist. Darüber hinaus komponierte er auch geistliche Musik, Sinfonien und – sozusagen im Verborgenen – eine Fülle kammermusikalischer Werke, darunter allein 19 Streichquartette. Anders als für seine Belcanto-Kollegen Vincenzo Bellini und Gioacchino Rossini handelte es sich hierbei nicht um eine bloße Pflichtübung oder um gesellschaftliche Spielereien. Donizetti schuf seine Kammermusik schlichtweg aus Freude und Vergnügen am privaten Musizieren. Einige dieser Kompositionen sind nicht mehr als jugendliche Gelegenheitswerke, andere lassen eine Aus-druckstiefe spüren, die den Vergleich mit den schönsten Momenten seiner Opern nicht zu scheuen braucht. Und ein wenig Belcanto steckt in jedem der Quartette, das beweist The Revolutionary Drawing Room bei seinem Herne-Debüt.
The Revolutionary Drawing Room:
Adrian Butterfield, 1. Violine
Kathryn Parry, 2. Violine
Rachel Stott, Viola
Ruth Alford, Violoncello
Sendung:
WDR 3 Konzert
Donnerstag, 29. Dezember 2011, 20:05 Uhr
Sonntag, 13. November 2011, 16:00 Uhr
Herne, Kreuzkirche
„Maître des Maîtres“
Geistliches zwischen Rom und Paris
Giacomo Carissimi
Vanitas vanitatum „Proposui in mente mea“
für 8 Stimmen, Chor, 2 Violinen und Basso continuo
Marc-Antoine Charpentier
Messe pour les tréspassés H. 2
für 4 Solostimmen, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo
Jean-Baptiste Lully
Notus in Judea Deus LWV 77, Nr. 17für 5 Solostimmen, Chor, Streicher und Basso continuo
Mitte des 17. Jahrhunderts pilgerten Musiker aus aller Herren Länder nach Rom zu Giacomo Carissimi. Im Sinne der Gegenreformation lehrte er dort am jesuitischen Collegium Germanicum seine besondere Kunst, religiöse Botschaften in unmittelbar eingängige Musik umzusetzen. Im fernen Paris waren Carissimis legendäre Oratorien-Dialoge nicht nur in Notenabschriften präsent, sie klangen auch in den Werken seines Meisterschülers Marc-Antoine Charpentier weiter. Der geriet damit gelegentlich auf Kon-frontationskurs zur Linie Jean-Baptiste Lullys, jenem „surintendant de la musique du roi“, der sich trotz italienischer Herkunft als eine Art Lordsiegelbewahrer der französischen Musik verstand. – Peter Neumann und seine Ensembles vermitteln zwischen den widerstreitenden italienischen und französischen Ideen im Paris der 1680er Jahre in einem „Grand Office des Morts“, der ein in Frankreich überliefertes Oratorium Carissimis mit einem Requiem Charpentiers und einem Grand Motet Lullys verbindet.
Heike Heilmann, Sopran 1
Constanze Backes, Sopran 2
Manuel König, Haute-contre
Mirko Ludwig, Tenor
Thilo Dahlmann, Bass
Kölner Kammerchor
Collegium Cartusianum
Leitung: Peter Neumann
Sendung: WDR 3 live
Sonntag, 13. November 2011, 19:00 Uhr
Herne, Kulturzentrum
„Gesamtkünstler“
Johann Adolf Hasse: „Romolo ed Ersilia“
Opera seria in drei Akten, Innsbruck 1765
Libretto von Pietro Metastasio
„Dieser Dichter und dieser Musiker sind die beiden Hälften dessen, was wie Platons Androgyne einmal ein Ganzes war. Denn beide besitzen gleichermaßen alle Merkmale wahren Genies, Geschmacks und Urteilsvermögens“, schrieb der englische Musikreisende Charles Burney 1770 über den römischen Dichter Pietro Trapassi alias „Metastasio“ und den norddeutschen Komponisten Johann Adolf Hasse. Beide studierten in den 1720er Jahren in Neapel und wurden internationale Berühmtheiten. Hasse setzte fast alle 27 Bühnendramen Metastasios in Musik. Doch nur in Wien, wo Metastasio über 50 Jahre lang als kaiserlicher Hofpoet und Hasse ab 1763 lebte, konnten beide ihre Opern wirklich gemeinsam kreieren. Dies gilt besonders für die dynastische Hochzeitsoper „Romolo ed Ersilia“. Mit dem französischen Ensemble Café Zimmer-mann unter Attilio Cremonesi wird das Gemein-schaftswerk der beiden Altmeister zum Abschluss der Tage Alter Musik in Herne und um eine Stunde zeitversetzt auf WDR 3 zu hören sein.
Romolo: Marina de Liso, Mezzosopran
Ersilia: Rosanna Savoia, Sopran
Valeria: Robin Johannsen, Sopran
Ostilio: Netta Or, Sopran
Curzio: Johannes Chum, Tenor
Acronte: Paola Gardina, Mezzosopran
ChorWerk Ruhr
Einstudierung: Sebastian Breuing
Café Zimmermann
Leitung: Attilio Cremonesi
Sendung:
WDR 3 Bühne: Radio
zeitversetzt ab 20:05 Uhr
WDR 3 Alte Musik in NRW
Sonntag, 4. November 2011, 19:00 Uhr
Leverkusen, Bayer Kulturhaus
Pasquale Anfossi: La finta giardiniera
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrunderts hinterließ Pasquale Anfossi als Komponist in Rom, Venedig, London und zahlreichen anderen europäischen Städten viele Spuren, die im Laufe der Zeit angesichts vieler anderer bedeutender Künstler leider verwischt wurden. Damals aber war er einer der großen internationalen Opernstars. Eine direkte Linie führt von Anfossis heiterer »Finta giardiniera« aus dem Jahr 1774 zu Wolfgang Amadeus Mozarts gleichnamigem Werk, das nur ein Jahr später entstand – es handelt sich hier um den singulären Fall, dass Mozart exakt dasselbe Libretto vertont hat wie sein italienischer Zeitgenosse. In einer hervorragenden Sängerbesetzung mit Raimund Nolte in der Titelrolle und Nuria Rial als Sandrina ist Anfossis Oper nun als Koproduktion von Bayer Kultur und WDR 3 wieder zu erleben, in einer konzertanten Aufführung mit L’arte del mondo unter der Leitung von Werner Ehrhardt.
Sandrina: Nuria Rial ‒ Sopran
Belfiore: Krystian Adam ‒ Tenor
Ramiro: Maria Espada ‒ Sopran
Arminda: Katja Stuber ‒ Sopran
Podesta: Miljenko Turk ‒ Bariton
Nardo: Florian Götz – Bariton
Serpetta: Monika Reinhard ‒ Sopran
L’arte del mondo
Leitung: Werner Ehrhardt
WDR 3 Funkhauskonzert Alte Musik
Freitag, 14. Oktober 2011, 18:00 Uhr
Funkhaus Köln
Johann Abraham Sixt – ein schwäbischer Mozart
Trios Nr. 1 D-dur und Nr. 3 Es-dur
Sonate Nr. 2 für Violine und Klavier F-dur
Sonata per il Clavicembalo o Fortepiano A-dur
Er war nicht nur ein Zeitgenosse Wolfgang Amadeus Mozarts, er hatte auch wie wenige andere die Möglichkeit, sich mit dessen Kompositionen auseinanderzusetzen: Der schwäbische Tastenvirtuose Johann Abraham Sixt wirkte von 1784 bis zu seinem frühen Tod 1797 als Kammermusiker beim Fürsten Joseph Maria Benedict zu Fürstenberg in Donau-eschingen, und der besaß eine Sammlung von Mozart-Werken, die Ihresgleichen suchte. Im kammermusikalischen Œuvre von Sixt hat diese Mozart-Erfahrung reizvolle Spuren hinterlassen – wie das auf historischen Instrumenten spielende Neptun Trio bei seinem Debüt im Kölner Funkhaus unter Beweis stellt.
Neptun Trio
Fiona Stevens, Violine
Kathrin Sutor, Violoncello
Wiebke Weidanz, Hammerklavier
Sendung:
WDR 3 Vesper
Samstag, 29. Oktober 2011, 18:05 Uhr
WDR 3 Sonntagskonzerte Alte Musik – Forum Alte Musik Köln
Sonntag, 9. Oktober 2011, 17:00 Uhr
Köln, Forum Volkshochschule im Rautenstrauch-Joest-Museum
L’entretien des Muses
Musik für Violine und Cembalo von Jean-Féry Rebel, François Couperin, Jean-Philippe Rameau, Jean-Marie Leclair, Joseph Cassanéa de Mondonville, Louis-Gabriel Guillemain und Claude-Bénigne Balbastre
Als „Unterhaltung der Musen“ hat Jean-Philippe Rameau eines seiner großartigen Charakterstücke für Cembalo überschrieben. Dieser Titel ließe sich ebenso auf jene sechs Violinsonaten von Landsleuten Rameaus anwenden, die Hélène Schmitt und Jörg-Andreas Bötticher mit nach Köln bringen. In ihnen finden die melodische Eleganz der französischen Musik und die expressive Virtuosität Italiens in neuer Harmonie zusammen.
Hélène Schmitt, Violine
Jörg-Andreas Bötticher, Cembalo
Sendung:
WDR 3 Musikhaus
Sonntag, 20. November 2011, 13:04 Uhr
WDR 3 Sonntagskonzerte Alte Musik – Forum Alte Musik Köln
Sonntag, 25. September 2011, 17:00 Uhr
WDR Funkhaus Köln
Paris 1706: L’Amour et Bacchus
Dramatische Kantaten und Kammermusik des französischen Barocks von Jean-Baptiste Morin, Sébastien Le Camus, Michel Lambert, Michel Pignolet de Montéclair, Louis-Nicolas Clérambault u. a.
Joel Frederiksen, amerikanischer Bassist und Lautenist mit Münchner Domizil, hat sich in der Alte-Musik-Szene einen Namen gemacht mit seinem oft charakteristisch anderen Blick auf die Vokalmusik zwischen Mittelalter und Romantik. Für das Köln-Debüt seines Ensembles Phoenix Munich hat er mit den dramatischen weltlichen Kammerkantaten Jean-Baptiste Morins und dessen Pariser Kollegen ein heute kaum mehr bekanntes französisches Repertoire aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts aufgetan, in dem der elegante Pariser Ton eine fruchtbare Liaison mit der italienischen Emotionalität eingeht.
Ensemble Phoenix Munich
Joel Frederiksen, Bass, Arciliuto und musikalische Leitung
Axelle Bernage, Sopran
Marion Treupel-Franck, Traversflöte
Kumiko Yamauchi, Violine
Domen Marincic, Viola da gamba
Olga Watts, Cembalo
Axel Wolf, Theorbe
Sendung:
WDR 3 Konzert
Samstag, 17. Dezember 2011, 20:05 Uhr
WDR 3 Alte Musik in NRW
Freitag, 23. September 2011, 19:00 Uhr
Essen, Schloss Borbeck
Un sonar de piva
Italienische Volksmusik der Renaissance von Giorgio Mainerio, Frater Gerardus, Francesco Patavino, Juan Ambrosio Dalza, Rossino Mantovano, Fabritio Caroso, Josquin Desprez, Bartolomeo Tromboncino, Andrea Falconieri u. a.
Um 1500 erlebte das Volkslied in Norditalien eine wahre Blüte. Damals entstand eine Fülle von Dichtungen, die findige Musiker gerne mit immer neuen Melodien versahen. Der venezianische Musikdrucker Ottaviano Petrucci veröffentlichte gleich elf Bände mit solchen Liedern, deren farbige Vielfalt er mit dem Stichwort „Frottola“ unter einen Hut brachte. Das bedeutet so viel wie „Strauß erfreulicher Dinge“ – und eine solche bunte Blütenlese aus diesem reichen Repertoire gibt die Capella de la Torre am 23. September auf Schloss Borbeck zum Besten. Gemeinsam mit dem Tenor José Pizarro Alonso stellt das Bläserensemble das älteste schriftliche Dokument dieser Volkslieder in den Mittelpunkt seines Programms: ein Manuskript, das Anfang des 16. Jahrhunderts in Rom entstand.
José Pizarro Alonso, Tenor
Capella de la Torre
Katharina Bäuml, Schalmei und Leitung
Sendung:
WDR 3 Vesper
Samstag, 8. Oktober 2011, 18:05 Uhr
WDR 3 Funkhauskonzert Alte Musik
Freitag, 17. Juni 2011, 18:00 Uhr
Funkhaus Köln
Fioriture ed Ornamenti
Jean Henry D’Anglebert
Suite in g-moll (Auszüge)
Johann Sebastian Bach
Concerto nach Italienischem gusto BWV 971
François Couperin
Petits Préludes, aus: „L’art de toucher le clavecin“
Gottlieb Muffat
Suite in d-moll, aus: „Componimenti Musicali“
Carl Philipp Emmanuel Bach
Sonate E-dur Wq 62,5
Als Johann Sebastian Bach am 22. Januar 1720 in Köthen ein „Clavier-Büchlein“ für seinen ältesten Sohn Wilhelm Friedemann anlegte, versäumte er es nicht, eine Erläuterung der gängigen Verzierungszeichen einzufügen, so wie er sie selbst in den Tabellen der französischen Clavecinisten kennengelernt hatte. Kein Zweifel: Wer es damals in Deutschland auf dem Cembalo zu etwas bringen wollte, musste die französische Tastensprache ebenso beherrschen wie die Italienische. Der jungen Cembalistin Nadja Lesaulnier aus dem südfranzösischen Aix-en-Provence fällt das heute naturgemäß leicht, und das hat ihr jüngst einen Jury-Preis des H.I.F. Biber-Wettbewerbs im österreichischen St. Florian eingebracht. Ihr Konzert bei den WDR 3-Funkhauskonzerten Alte Musik hat sie mit dem italienischen Titel „Fioriture ed Ornamenti“ überschrieben; neben Johann Sebastian Bachs „Italienischem Konzert“ und einer Sonate seines Sohnes Carl Philipp Emanuel sorgen darin Cembalowerke von Jean-Henry D’Anglebert und François Couperin, aber auch eine Suite des Österreichers Gottlieb Muffat für reichlich französisches Flair.
Nadja Lesaulnier, Cembalo
Sendung:
WDR 3 Vesper
Samstag, 25. Juni 2011, 18:05 Uhr
WDR 3 Sonntagskonzerte Alte Musik – Forum Alte Musik Köln
Sonntag, 29. Mai 2011, 17:00 Uhr
WDR Funkhaus Köln
Francesco Antonio Mamiliano Pistocchi: „Il Narciso“
Pastorale in musica, Ansbach 1697
Die tragische Geschichte von der Nymphe Echo und dem nur zur Eigenliebe fähigen Jüngling Narziss erfreute sich in der Barockzeit größter Beliebtheit. Apostolo Zeno kleidete sie in neue italienische Verse, die der phänomenale Sänger Francesco Antonio Mamiliano Pistocchi 1697 in Ansbach zur Eröffnung des fürstlichen Opernhauses vertonte. Mehr als drei Jahrhunderte war Pistocchis kurzweilige Pastorale nahezu vergessen, nun stellt sie ein junges Ensemble auf historischen Instrumenten unter der Leitung von Kai Wessel und Richard Gwilt erneut vor, zusammen mit Gesangsstars wie Roberta Invernizzi und Katarina Bradic. Ein konzertanter Opern-Höhepunkt zum Abschluss der Spielzeit.
Eco, eine Nymphe: Roberta Invernizzi, Sopran
Narciso, ein Schäfer: Katarina Bradic, Alt
Cidippe, Tochter des Tirreno: Cordelia Katharina Weil, Mezzosopran
Uranio, ein Schäfer: Anna Lucia Richter, Sopran
Lesbino, ein Schäfer: Marie Seidler, Alt
Tirreno, Priester der Venus: Sebastian Auer, Bass
Barockensemble der Hochschule für Musik und Tanz Köln
Konzertmeister: Richard Gwilt
Leitung: Kai Wessel
Sendung:
WDR 3 Bühne: Radio
Sonntag, 10. Juli 2011, 20:05 Uhr
WDR 3 Alte Musik in NRW
Dienstag, 24. Mai 2011, 20:00 Uhr
Hagen, Schloss Hohenlimburg
Cembalomusik um Sweelinck
Werke von Jan Pieterszoon Sweelinck, Melchior Schildt, Samuel Scheidt, Dietrich Buxtehude, Matthias Weckmann, Johann Adam Reincken, John Bull, Peter Philips, Georg Böhm und Johann Sebastian Bach
Ende des 16. Jahrhunderts war die Oude Kerk in Amsterdam ein regelrechter Pilgerort. Immerhin wirkte hier mit Jan Pieterszoon Sweelinck einer der berühmtesten Organisten seiner Zeit. So rühmten sich etwa Samuel Scheidt und Heinrich Scheidemann, seine Schüler gewesen zu sein. Zudem standen englische Virginal-Komponisten wie John Bull und Peter Philips mit Sweelinck im regen Austausch. In diese Blütezeit der niederländischen Instrumentalmusik reist nun die russische Cembalistin Maria Uspenskaya zurück: mit kontrapunktisch kunstvollen, dann wieder virtuos leuchtenden Werken Sweelincks, denen ausgewählte Stücke seiner Schüler und Zeitgenossen zur Seite gestellt werden. Maria Uspenskaya, die damit beim Klavier-Festival Ruhr debütiert, hat bei Bob van Asperen in Amsterdam studiert und kann als eine der faszinierendsten Cembalistinnen der jüngeren Generation bereits mit Auszeichnungen beim Musica-antiqua-Wettbewerb in Brügge sowie beim Internationalen Bach-Wettbewerb in Leipzig aufwarten.
Maria Uspenskaya, Cembalo
Sendung:
WDR 3 Vesper
Samstag, 25. Juni 2011, 18:05 Uhr
WDR 3 Alte Musik in NRW
Montag, 23. Mai 2011, 20:00 Uhr
Bonn, Arithmeum
La Marche Persane
Musik für Gambe und Laute von Marin Marais, Jean Gallot, Robert de Visée, Antoine Forqueray u. a.
„Marche Persane“, „persischer Marsch“ ist ein Stück von Marin Marais überschrieben. Die französischen Gambenvirtuosen des beginnenden 18. Jahrhunderts hatten ein Faible fürs Exotische, schrieben tartarische, arabische, türkische oder ganz einfach „wilde“ Musik – bzw. das, was sie darunter verstanden: Mit wirklicher Volksmusik haben diese kunstvollen Gambenstücke nichts zu tun. Marais wurde wegen seines kultivierten Spiels als „l’ange“ – „der Engel“ bezeichnet; sein Antipode war Antoine Forqueray, den man wegen seiner exaltierten Interpretationen „le diable“ nannte. Der Gambist Vittorio Ghielmi und sein Lautenpartner Luca Pianca stellen diese beiden französischen Barockmeister im Bonner Arithmeum vor und präsentieren darüber hinaus noch eine Reihe neu entdeckter Stücke aus der Sammlung der Madame La Rochette (Nantes 1758) für den hohen Pardessus de Viole.
Vittorio Ghielmi, Viola da gamba und Pardessus de Viole
Luca Pianca, Laute
Sendung:
WDR 3 Vesper
Samstag, 11. Juni 2011, 18:05 Uhr
WDR 3 Alte Musik in NRW
Freitag, 20. Mai 2011, 20:00 Uhr
Brühl, Schloss Augustusburg
Geigenmagie
Sonaten und Suiten von Henry Purcell und Nicola Matteis
Henry Purcell wurde schon zu Lebzeiten als „Orpheus Britannicus“ gefeiert. Er komponierte zahlreiche Werke für unterschiedliche Besetzungen. Sein neapolitanischer Zeitgenosse Nicola Matteis revolutionierte zur gleichen Zeit in London das Geigenspiel; mit seinen leidenschaftlichen Interpretationen und eigenen Kompositionen fesselte er die Zuhörer. Wie das dann klang, das ist im Schloss Augustusburg mit Gli Incogniti zu erleben. Der Name des 2006 von der charismatischen jungen Geigerin Amandine Beyer gegründeten Ensembles ist Programm: Es will das Unbekannte bekannt machen, mit Klängen experimentieren, die Spieltechniken des Barocks wiederbeleben – ein Konzept, das den Musikern schon beste Kritiken und zahlreiche Preise eintrug.
Gli Incogniti
Amandine Beyer, Violine und Leitung
Sendung:
WDR 3 Konzert
Samstag, 28. Mai 2011, 20:05 Uhr
WDR 3 Funkhauskonzert Alte Musik
Freitag, 15. April 2011, 18:00 Uhr
Funkhaus Köln
Klaviertrios mit Flöte
Johannes Amon
Sonate D-dur, op. 48,1
Joseph Haydn
Trio D-dur, Hob. XV:16
Ignaz Pleyel
Sonate G-dur, op. 14,2
Johann Nepomuk Hummel
Trio A-dur op. 78
Stars auf Tournee und „Artists in Residence“ sind keine Erfindungen unserer Tage: Berühmte Künstler (und musikalische Wunderkinder) begaben sich auch schon vor mehr als 200 Jahren ab und an auf Reisen, meist in Richtung der großen Musikmetropolen Wien, London oder Paris. Dort beeindruckten sie ihre Zuhörer gerne mit effektvoller Kammermusik – wie den heute vielfach vergessenen Klaviertrios mit Flöte. Die hat das junge Cuvilliés Trio aus München für sich entdeckt und damit bei der International Young Artists Presentation in Antwerpen 2009 prompt den Publikumspreis errungen. Im Kölner Funkhauskonzert stellt es neben einem Londoner Trio von Joseph Haydn Werke seiner jüngeren Zeitgenossen Johann Andreas Amon, Ignaz Pleyel und Johann Nepomuk Hummel vor.
Cuvilliés Trio
Marjorie Pfister, klassische Flöte
Angelika Hörtler, Violoncello
Varvara Manukyan, Hammerklavier
Sendung:
WDR 3 Vesper
Samstag, 21. Mai 2011, 18:05 Uhr
WDR 3 Sonntagskonzerte Alte Musik – Forum Alte Musik Köln
Sonntag, 10. April 2011, 17:00 Uhr
Köln, Comedia Theater
„Dissonanzen?“
Joseph Haydn
Streichquartett op. 33,5 G-dur, Hob III:41
Streichquartett op. 50,1 B-dur, Hob III:44
Wolfgang Amadeus Mozart
Streichquartett C-dur, KV 465 („Dissonanzen-Quartett“)
„Ihr Sohn ist der größte Componist, den ich von Person und dem Namen nach kenne“, schwärmte Joseph Haydn gegenüber Leopold Mozart unter dem Eindruck jener sechs Streichquartette, die ihm Wolfgang Amadeus Mozart 1785 gewidmet hatte. Mozart orientierte sich damals an Haydns wegweisenden Quartetten op. 33; der nahm sich daraufhin Mozart zum Vorbild: Die Anklänge an das berühmte Dissonanzen-Quartett sind zu Beginn von Haydns Quartett op. 50,1 nicht zu überhören. Der Atmosphäre gegenseitiger Bewunderung, in der sich die beiden großen Wiener Klassiker damals bewegten, spürt das Marcolini Quartett bei den WDR 3 Sonntagskonzerten/Forum Alte Musik Köln nach.
Marcolini Quartett
Jörg Buschhaus, Violine
Frauke Pöhl, Violine
Stefan Schmidt, Viola
Martin Fritz, Violoncello
Sendung:
WDR 3 Konzert
Mittwoch, 20. April 2011, 20:05 Uhr
WDR 3 Alte Musik in NRW
Freitag, 1. April 2011, 20:00 Uhr
Mönchengladbach, Schloss Rheydt
Hameln anno 1284. Auf den musikalischen Spuren der Rattenfänger-Sage
Mit der Gestalt des fahrenden Musikers ist uns ein mittelalterliches Bild überliefert, das die Phantasie in starkem Maße beflügelt. Dabei sticht eine Figur besonders heraus, die heutzutage nur noch in ihrer sagenhaften Dimension wahrgenommen wird: der „Rattenfänger von Hameln“, ein dämonisch anmutender Pfeifer, der am Johanns- und Paulstag 1284 in der Weser-Stadt die Heranwachsenden für ein Besiedlungsprojekt im Ostseeraum anwarb. Ausgehend von den historischen Hintergründen des Hamelner Auszugs versucht Norbert Rodenkirchen den möglichen Vortrag eines fahrenden Flötenspielers im späten 13. Jahrhundert zu rekonstruieren. Dabei wird er von Hans Eberhard Maldfeld auf der Tromba marina begleitet, dem archaischen Streichinstrument mit nur einer Saite, das wie eine Trompete klingt.
Norbert Rodenkirchen, mittelalterliche Traversflöten
Hans Eberhard Maldfeld, Tromba marina
Sendung:
WDR 3 Vesper
Samstag, 9. April 2011, 18:05 Uhr
WDR 3 Sonntagskonzerte Alte Musik – Forum Alte Musik Köln
Sonntag, 13. März 2011, 17:00 Uhr
Köln, Comedia Theater
Kammermusik von Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy
Der aparten Klangkombination des Klaviertrios mit Violine, Violoncello und Pianoforte schenken die Komponisten seit dem 18. Jahrhundert immer wieder besondere Aufmerksamkeit. Für das 100. Konzert des Forum Alte Musik Köln, das seit dieser Spielzeit in Kooperation mit WDR 3 veranstaltet wird, hat das Ensemble Alte Musik Köln romantische Klaviertrios aufs Programm gesetzt, die aus der Feder von Felix Mendelssohn Bartholdy und Robert Schumann stammen – zwei Musikern, die im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts wie wenige ihrer Zeitgenossen schon vorausschauend auf die Alte Musik zurückblickten und ihrer Wiederentdeckung musikalisch und publizistisch die Bahn ebneten.
Christine Rox, Violine
Klaus-Dieter Brandt, Violoncello
Uwe Brandt, Hammerfügel
Sendung:
WDR 3 Konzert
Donnerstag, 24. März 2011, 20:05 Uhr
WDR 3 Funkhauskonzert Alte Musik
Freitag, 18. Februar 2011, 18:00 Uhr
Funkhaus Köln
Unter der linden
Lieder und Sprüche von Walther von der Vogelweide
Schon zu Lebzeiten wurde er bewundert, heutzutage gilt er als der bedeutendste deutschsprachige Dichter des Mittelalters: Walther von der Vogelweide (um 1170 – 1230). Er war politisch durchaus unbequem, scheute sich nicht, König, Kaiser und Papst gnadenlos zu kritisieren. Wenn er von Liebe, Freude, Sehnsucht oder Freundschaft redet, fließen ihm die Worte genau so leicht aus der Feder, wie wenn er gegen seine Mitmenschen wettert, um Höflichkeit, Ehrlichkeit, Großzügigkeit oder die Gleichberechtigung einzufordern. Wie modern der meisterhafte Sprachzauberer und Worterfinder Walther heute noch wirken kann, in seiner direkten Art, seinem Humor und seiner Selbstdistanz, das zeigt das international besetzte Ensemble für mittelalterliche Musik um die schwedische Sängerin und Harfenistin Miriam Andersén im Kölner Funkhauskonzert.
Miriam Andersén, Gesang und gotische Harfe
Raitis Grigalis, Gesang
Susanne Ansorg, Fidel
Balázs Szokolay Dongó, Flöten
Sendung:
WDR 3 Vesper
Samstag, 5. März 2011, 18:05 Uhr
WDR 3 Sonntagskonzerte Alte Musik – Forum Alte Musik Köln
Sonntag, 13. Februar 2011, 17:00 Uhr
Köln, Trinitatiskirche
Giovanni Battista Pergolesi: Stabat Mater c-moll, Salve Regina c-moll
Antonio Vivaldi: Concerto g-moll RV 156
Giovanni Battista Pergolesi wurde nur 26 Jahre alt, aber er schenkte der Welt gleich mehrere Kompositionen, die dank ihrer bewegenden Tonsprache schon von den Zeitgenossen als musikalische Klassiker angesehen wurden. Darunter die beiden Kirchenwerke, die im Februar bei den WDR 3 Sonntagskonzerten/Forum Alte Musik in der Kölner Trinitatiskirche auf dem Programm stehen: das Stabat Mater und das Salve Regina. Concerto Köln hat für seine Aufführung im Nachklang des Pergolesi-Jahres 2010 die Sopranistin Johannette Zomer und den Altisten Maarten Engeltjes gewinnen können. Den neapolitanischen Gesangswerken stellt es den venezianischen Klassiker des Instrumentalkonzerts gegenüber: Antonio Vivaldi.
Johannette Zomer, Sopran
Maarten Engeltjes, Altus
Concerto Köln
Sendung:
WDR 3 Konzert
Mittwoch, 9. März 2011, 20:05 Uhr
WDR 3 Sonntagskonzerte Alte Musik – Forum Alte Musik Köln
Sonntag, 19. Dezember 2010, 17:00 Uhr
Köln, Trinitatiskirche
Giovanni Girolamo Kapsperger: I Pastori di Bettelemme
Er war ein Liebling des Vatikans und wusste genau den Geschmack des Papstes zu treffen: Giovanni Girolamo Kapsperger, der heute vor allem als Komponist von Lautenmusik bekannt ist. Den Text des stimmungsvollen weihnacht-lichen Hirtenspiels „I Pastori di Bettelemme“, den er 1630 für eine Aufführung im apos-tolischen Palast vertonte, hat kein Geringerer als Giulio Rospigliosi verfasst, der spätere Papst Clemens IX. Die alte Partitur, in der Kapsperger die ganze Palette pastoraler Klangfarben angelegt hat, erweckt das Ensemble Echo du Danube am 4. Advent mit sechs Gesangsstimmen und einem reichen Instrumentalaufgebot zu neuem Leben.
Costanze Backes, Sopran
Chiyuki Okamura, Sopran
Carolina Brachmann, Sopran
Clementine Jesdinsky, Sopran
Christian Dietz, Tenor
Nils Cooper, Bass
Echo du Danube
Sendung:
WDR 3 Konzert
Donnerstag, 30. Dezember 2010, 20:05 Uhr
WDR 3 Funkhauskonzert Alte Musik
Freitag, 17. Dezember 2010, 18:00 Uhr
Funkhaus Köln
Guitarra española
Spanische Gitarrenmusik des 19. Jahrhunderts
von Isaac Albéniz und Francisco Tarrega auf Originalinstrumenten
Der spanische Komponist Isaac Albéniz gilt als Vater der spanischen Nationalmusik. Doch für die Gitarre, das Instrument, das man ganz unmittelbar mit Spanien assoziiert, hat er nie geschrieben. Ironie der Geschichte: Viele seiner Klavierwerke wurden erst durch Transkriptionen für Gitarre weltberühmt, und so nimmt der Pianist Albéniz heute den weitaus bedeutende-en Platz nicht im Repertoire für seine eigene Zunft ein, sondern in dem der Gitarristen. Vor 150 Jahren, am 29. Mai 1860, wurde Albéniz geboren. Das ist für Wulfin Lieske und Fabian Spindler Anlass, ihr Programm im Kölner Funkhaus seinen Werken zu widmen. Dabei nähern sie sich auch dem Klanggeist des „fin de siècle“ an, auf zwei Originalinstrumenten, die der spanische Meister Antonio de Torres vor 150 Jahren erbaute.
Lieske Spindler Guitars:
Wulfin Lieske, Fabian Spindler, romantische Gitarren
Sendung:
WDR 3 Vesper
Samstag, 8. Januar 2011, 18:05 Uhr
WDR 3 Alte Musik in NRW
Sonntag, 12. Dezember 2010, 18:00 Uhr
Leverkusen, Bayer Kulturhaus
Josef Myslivecek: Medonte
Josef Myslivecek war einer der erfolgreichsten Opernkomponisten seiner Zeit; Aufträge führten den gebürtigen Böhmen nach Italien, nach Wien und München. Im römischen Teatro Argentina wurde 1780 seine letzte Oper „Medonte“ uraufgeführt, wenige Monate vor seinem Tod. Das zugrundeliegende Libretto erzählt die Geschichte des Königs der römischen Provinz Epirus und seiner Liebe zur aragonischen Prinzessin Selene. Wie (fast) immer in der Oper gibt es einen Gegenspieler: Der Feldherr Arsace setzt ein dramatisches Intrigengeflecht in Gang, an dessen Ende es nur Besiegte geben kann. In einer hervorragenden Sängerbesetzung mit Thomas Michael Allen in der Titelrolle, Juanita Lascarro als Selene und Susanne Bernhard als Arsace ist diese Oper nach 230 Jahren als Koproduktion von WDR 3 und Bayer Kultur wieder zu erleben, in einer konzertanten Aufführung mit L’arte del mondo unter der Leitung von Werner Ehrhardt.
Medonte: Thomas Michael Allen, Tenor
Selene: Juanita Lascarro, Sopran
Arsace: Susanne Bernhard, Sopran
Evandro: Siphiwe McKenzie, Sopran
Zelinda: Claudia Codreanu, Mezzosopran
Talete: Ulrike Andersen, Alt
L’arte del mondo
Leitung: Werner Ehrhardt
Sendung:
WDR 3 Bühne: Radio
Sonntag, 20. Februar 2011, 20:05 Uhr
WDR 3 Sonntagskonzerte Alte Musik – Forum Alte Musik Köln
Sonntag, 28. November 2010, 17:00 Uhr
Köln, Comedia Theater
Kammermusik für Bläser und Streicher
von Giovanni Punto, Joseph Fiala, Michael Haydn und Leopold Kozeluch
Wenn sich Traversflöte und Naturhorn zum Streichtrio gesellen, sind aparte Klangeffekte vorprogrammiert. Für das entsprechende Repertoire sorgten in Süddeutschland und Österreich um 1800 vor allem böhmische Musiker: etwa der Star-Hornist Giovanni Punto, für den Beethoven seine Horn-Sonate schrieb, Joseph Fiala, der als Salzburger Oboist und Cellist bei den Mozarts wohnte und dem Sohn des Hauses kurz darauf nach Wien folgte, oder der Pianist Leopold Kozeluch, dessen Kammermusik in jedem Wiener Adelssalon gespielt wurde. Der Kölner Hornist Christian Binde hat kaum mehr bekannte Werke aus der reichhaltigen Divertimento-Literatur der drei Böhmen ausgesucht und stellt ihnen mit Michael Haydn einen Meister aus dem Burgenland zur Seite, der die meiste Zeit seines Lebens in Salzburg wirkte.
Compagnia di Punto:
Annie Laflamme, Traversflöte
Christian Binde, Horn
Adrian Bleyer, Violine
Florian Schulte, Viola
Alexander Scherf, Violoncello
Sendung:
WDR 3 Konzert
Donnerstag, 9. Dezember 2010, 20:05 Uhr
WDR 3 Alte Musik in NRW
Freitag, 26. November 2010, 19:00 Uhr
Essen, Schloss Borbeck
Telemann im Kaffeehaus
Georg Philipp Telemann
Instrumentale Kammermusik
Ein zwanzigjähriger Student aus Magdeburg avancierte Ende 1701 binnen weniger Wochen zum absoluten Favoriten des Leipziger Bürgertums: Georg Philipp Telemann. In der Kirche und der Oper waren seine Werke zu hören – und im Kaffeehaus. Dort trat das Collegium musicum, Telemanns studentisches Eliteensemble, allwöchentlich auf. Was die Herren Studiosi so auf die Pulte legten, kann man nur ahnen – mit Sicherheit reichlich Telemann. Der Berner Freitagsakademie ist es jedenfalls nicht schwergefallen, aus seinem Œuvre ein unterhaltsames Programm mit barocker Kaffeehausmusik für bis zu zehn Instrumente zusammenzustellen.
Die Freitagsakademie
Verena Fischer, Traversflöte
Katharina Suske, Oboe, Oboe d'amore
Leila Schayegh, Viola d'amore, Violine
Chiara Banchini, Vitaly Shestakov, Violine
Monica Ehrsam, Viola
Bernhard Maurer, Violoncello
Nicholas Baldock, Violine
Jörg-Andreas Bötticher, Cembalo
Jonathan Rubin, Laute
Sendung:
WDR 3 Vesper
Samstag, 12. Dezember 2010, 18:05 Uhr
Tage Alter Musik in Herne: „Odyssee“
Gesänge zu einer Irrfahrt vom Mittelalter bis zur Moderne
Zehn Konzerte des WDR vom 11. bis 14. November 2010
Donnerstag, 11. November 2010, 19:00 Uhr
Herne, Kulturzentrum
„Kalypso“. Dramatische Kammermusik der Klassik von Luigi Gatti, Peter von Winter, Joseph Haydn, Muzio Clementi und Michele Carafa
„Schrecklich seid ihr Götter und eifersüchtig vor allen, gönnt den Göttinnen nicht, sich sterblichem Mann zu vermählen“. Als einziger Überlebender seiner Schiffsbesatzungen ist Odysseus sieben Jahre lang auf der Insel Ogygia in der Gefangenschaft der Nymphe Kalypso, die ihn liebt. Er aber bleibt seiner Ehefrau Penelope treu, und der Ratschluss der Götter zwingt Kalypso schließlich, den Geliebten freizulassen. Als später Telemachos auf der Suche nach seinem Vater Odysseus nach Ogygia kommt, verliebt sich Kalypso auch in ihn. Diesmal lehnt sie sich gegen das Göttervotum auf, doch vergebens. – Die tragische Frauenrolle der verzichtenden, verlassenen Liebenden, für die Kalypso hier stellvertretend steht, hat Künstler aller Epochen gefesselt und zu besonders eindrucksvollen Charakterzeichnungen beflügelt. Begleitet von Wolfgang Brunner am Fortepiano, eröffnen die jungen Sängerinnen Gudrun Sidonie Otto und Olivia Vermeulen die Tage Alter Musik in Herne mit großartigen musikalischen Mono-logen, darunter Joseph Haydns Kantate „Arianna a Naxos“, Muzio Clementis tragische Szene „Didone abbandonata“ und Auszüge aus Peter von Winters Dramma per musica „La Grotta di Calipso“.
Gudrun Sidonie Otto, Sopran
Olivia Vermeulen, Mezzosopran
Wolfgang Brunner, Hammerflügel
Sendung:
WDR 3 Konzert
Donnerstag, 2. Dezember 2010, 20:05 Uhr
Donnerstag, 11. November 2010, 21:30 Uhr
Herne, Kreuzkirche
„Demodokos“. Eine musikalische Reise auf den griechisch-byzantischen Spuren Süditaliens
„Ruft auch den göttlichen Sänger, unseren Demodokos her, denn ihm gab Gott über-schwänglich süßen Gesang, wovon auch sein Herz zu singen ihn antreibt.“ Zur Harfe besingt Demodokos abends beim Fest den Kampf um Troja und rührt Odysseus damit zu Tränen. Schließlich schildert er selbst, zwei Nächte hindurch, seine Irrfahrt übers Mittelmeer. Auf seinen Spuren macht sich das Ensemble Oni Wytars nun auf den Weg durch die Magna Graecia, eine Inselwelt der archaischen Klänge und erstaunlichen Geschichten in nahezu vergessenen Sprachen einer nahezu vergangenen Tradition. Vom Sonnengesang bis zur Tarantella, von Instrumenten, die Jahrtausende überdauert haben, zu heutigen traditionellen Klängen, von der Ägäis durch das Ionische bis ins Tyrrhenische Meer nach Sardinien. Im Laufe der vielen Jahrhunderte hat sich hier die antike Kultur der Griechen mit den süditalienischen Traditionen vermischt, und so entstand einer Kultur, die auf einzigartige Weise die byzantinische Welt mit der romanischen verbindet.
Ensemble Oni Wytars:
Belinda Sykes, Gesang
Peter Rabanser, Gesang, Doppelflöten, Gaida
Marco Ambrosini, Schlüsselfidel
Riccardo Delfino, Harfe
Efrén Lopez, Oud, Lauto
Ross Daly, kretische Lyra
Kelly Thoma, kretische Lyra
Michael Posch, Block- und Schilfflöten
Luigi Lai, Launeddas
Katharina Dustmann, Bendir, Def, Davul, Zarb
Carlo Rizzo, Rahmentrommeln, Tamburello
Sendung:
WDR 3 Konzert
Dienstag, 14. Dezember 2010, 20:05 Uhr
Freitag, 12. November 2010, 16:00 Uhr
Herne, Kreuzkirche
„Polyphem“. Musik aus dem Dreißigjährigen Krieg von Heinrich Schütz, Samuel Scheidt, Johann Hermann Schein, Samuel Michael, Heinrich Albert, Johann Stobäus, Johann Erasmus Kindermann u. a.
„Wir Kyklopen kümmern uns nicht um den König des Himmels, noch um die seligen Götter; denn wir sind stärker als jene.“ Es ist eine der bekanntesten Erzählungen aus Homers Odyssee und eine der grausamsten: Der einäugige Riese Polyphem beginnt, die Gefährten des Odysseus zu erschlagen und zu verspeisen, bis ihn dieser mit einem glühenden Pfahl blendet. So gelingt es dem „Niemand“ Odysseus sch ließlich, sich gegen die brutale Macht des Monsters durchzusetzen und ihr mit knapper Not zu entkommen. Grausamkeit gebiert Grausamkeit: das ist die elementare Erfahrung der Menschen in Kriegszeiten. – Die Eindrücke des unfassbar verheerenden und schier endlosen Dreißigjährigen Krieges, in dem mancher im einäugigen Heerführer Heinrich Holk gar eine Wiederkehr des antiken Kyklopen zu erkennen glaubte, verarbeiteten Komponisten wie Heinrich Schütz, Heinrich Albert und Samuel Scheidt in eindringlichen Klangen zwischen Verzagtheit und Dramatik, bis sich die Musik im Laufe der 1640er Jahre wieder hymnischeren Fried- und Freuden-Tönen hingeben durfte. Die Sopranistin Susanne Ryden und der Bassist Stephan MacLeod zeichnen gemeinsam mit den Instrumentalisten von Concerto Palatino und L’Armonia Sonora ein barockes musikalisches Bild von der Monstrositat des Krieges und seiner Überwindung.
Sabine Lutzenberger, Sopran
Stephan MacLeod, Bass
Concerto Palatino & L’Armonia Sonora
Leitung: Bruce Dickey, Zink,
und Mieneke van der Velden, Viola da gamba
Sendung:
WDR 3 Konzert
Donnerstag, 23. Dezember 2010, 20:05 Uhr
Freitag, 12. November 2010, 19:00 Uhr
Herne, Kulturzentrum
Jean-Féry Rebel: „Ulysse“
Tragédie en musique in fünf Akten und einem Prolog von , Paris 1703
Text von Henri Guichard
„Die Göttin mit lieblichen Flechten, Kirke, sie hörten drinnen mit schöner Stimme sie singen.“ Scharfsinn, eine kräftige Stimme und eine gehörige Portion Sexappeal zeichnen die göttliche Magierin Kirke aus. In Homers Odyssee zaubert sie sich Odysseus einfach herbei, dank göttlicher Hilfe schlägt er sie mit ihren eigenen Zauberwaffen, und beide gehen eine leidenschaftliche Liebesbeziehung ein, bis Odysseus’ tote Mutter ihm ins Gewissen redet und er sich auf die Heimreise zu Ehefrau Penelope macht. Kirke lässt ihn ziehen. – In der Oper „Ulysse“ von Jean-Féry Rebel folgt sie Odysseus hingegen nach Ithaka und stiftet dort große Verwirrung. Sie will ihn nämlich zurück. In Herne gibt Guillemette Laurens der liebesrasenden Zauberin ihre Stimme; mit Hugo Reyne und seinen Ensembles garantiert sie einen ebenso turbulenten wie betörenden konzertanten Opernabend à la française.
Circé: Guillemette Laurens, Mezzosopran
Pénélope: Stéphanie Révidat, Sopran
Ulysse: Aimery Lefèvre, Bariton
Céphalie, Minerve: Anouschka Lara, Sopran
Euphrosine: Dorothée Leclair, Sopran
Orphée, un Génie, Euriloque, Mercure,
Télémaque: Vincent Lièvre-Picard, Haute-contre
Un Sauvage: Thomas Van Essen, Tenor
Urilas: Matthieu Heim, Bass
Le Chœur du Marais
La Simphonie du Marais
Leitung: Hugo Reyne
Sendung:
WDR 3 Konzert live
Samstag, 13. November 2010, 11:00 Uhr
Herne, Westfälisches Museum für Archäologie
Kulturpolitisches Forum WDR 3
Podiumsdiskussion zum Thema „Odysseen zwischen Archivstaub und Event“
Eine lange Reise hat die Alte Musik im Laufe der vergangenen zwei Jahrhunderte zurückgelegt, von den Zusammenkünften der Sing-Akademie zu Berlin und den „Historischen Concerten“ eines Felix Mendelssohn Bartholdy im Leipziger Gewandhaus bis zur Etablierung der historischen Aufführungspraxis als integralem Bestandteil im Musikleben unserer Zeit. Die Reiseroute war nie geradlinig, sie führte u. a. über teils archäologisch, teils patriotisch motivierte Initiativen von Denkmälerausgaben und über eher museal geleitete Ansätze beim Spiel auf Instrumenten alter Mensur. Die Alte Musik hat sich im Musikleben längst etabliert, garantiert sogar höchste Besucher- und Verkaufszahlen, wenn sich Sängerinnen wie Cecilia Bartoli ihr widmen. Bedarf es solcher Galionsfiguren bei der Entdeckung neuer und der Neubewertung scheinbar altbekannter Repertoirebestände, oder hat sich bis in die pädagogische Praxis und das breite Musikleben hinein ein Verständnis für Quellen und historische Klangideale eingestellt? Werden wirklich noch Meisterwerke in den Archiven entdeckt, oder sind es überwiegend doch historischen Quisquilien, die durch moderne Wiederaufführungen zu Unrecht nobilitiert werden? Liegt die Zukunft der Alten Musik in Grenzüberschreitungen zu anderen Genres wie Folklore, Jazz oder Neue Musik, und auf welche Vermarktungs- und Präsentations-formen darf sich das Publikum künftig einstellen?
Das Kulturpolitische Forum WDR 3 versucht eine Standortbestimmung der Alten Musik.
Moderation: Richard Lorber
Sendung:
WDR 3 Forum
Sonntag, 21. November 2010, 19:05 Uhr
Samstag, 13. November 2010, 16:30 Uhr
Herne, Kreuzkirche
„Helios“. Barocke Gesänge zum wahren und falschen Licht von Luigi Rossi, Giacomo Carissimi, Marco Marazzoli und Maurizio Cazzati
„Wenn die Frevler mir nicht entsprechende Buße entrichten, tauch ich zum Reich des Hades hinab und scheine den Toten.“ Sonnengott Helios („der die Sonne Tragende“) ist außer sich und erpresst die übrigen Götter. Odysseus’ hungrige Gefährten haben sechs Tage lang einige seiner heiligen Rinder geschlachtet, und der göttliche Spender von Licht, Wärme, Kraft und Leben fordert, dieses Sakrileg grausam zu rächen. Ansonsten droht er mit seinem Sturz in die Unterwelt und ewiger Dunkelheit auf Erden. Natürlich wird er erhört, und alle Gefährten des Odysseus sterben. Offensichtlich und unheimlich sind die Parallelen zu Luzifer, dem „Lichtträger“ oder „schönen Morgenstern“ (Martin Luther). Er war einst ein prächtig-leuchtender Engel, der fallend zum „Fürsten der Finsternis“ wurde. Sonnengesänge und Höllenfahrten stehen im Mittelpunkt dieses Konzerts in der Kreuzkirche mit Vokal- und Instrumentalwerken des Früh- und Hochbarocks, viel strahlendes Licht und düsterste Finsternis. Das französische Ensemble Les Paladins unter seinem Leiter Jérôme Correas gibt bei den Tagen Alter Musik in Herne sein Deutschlanddebüt.
Monique Zanetti, Sopran
Barbara Kusa, Sopran
Jean-François Lombard, Tenor
Hervé Lamy, Tenor
Virgile Ancély, Bass
Les Paladins
Leitung: Jérôme Correas
Sendung:
WDR 3 Konzert
Montag, 27. Dezember 2010, 20:05 Uhr
Samstag, 13. November 2010, 20:00 Uhr
Herne, Kulturzentrum
„Sirenen“. Musik für „La Nuova Sirena“ Faustina Bordoni von Domenico Sarro, Giovanni Antonio Pollarolo, Giuseppe Maria Orlandini, Antonio Vivaldi, Giovanni Maria Capelli, Leonardo Leo, Leonardo Vinci, Georg Friedrich Händel und Johann Adolf Hasse
„Komm, leg’ dein Schiff hier an, um unsere honigtönende Stimme zu hören. – Also sangen jene voll Anmut, heißes Verlangen fühlt’ ich, weiter zu hören.“ Odysseus erlebt bei seiner Begegnung mit den Sirenen und ihrem Gesang erstmals und ganz unmittelbar jene Zauberkraft der Musik, die Menschen aller Epochen faszinierte, aber auch ein wenig unheimlich war. Odysseus widersteht ihr nur, weil er unbeweglich an den Mast gefesselt ist. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts bekamen die antiken Sirenen Konkurrenz (oder eine neue Gefährtin) bei ihrem verführerischen Tun: die venezianische Mezzosopranistin Faustina Bordoni, von zahllosen Verehrern „La Nuova Sirena“ genannt. Unüberschaubar sind die Versuche ihrer Zeitgenossen, all das in Worte zu fassen, was ihre Gesangskunst auszeichnete. Sie galt als „neu“ und „einzigartig“, damit unausgesprochen auch als „fortschrittlich“; man schuf für ihre Art zu singen und zu rezitieren gar ein eigenes Verb: „faustinieren“. Begleitet von Concerto Köln gibt die Mezzosopranistin Vivica Genaux virtuose Kostproben aus Faustinas schier unermesslichem Repertoire, dessen Schwerpunkt die Opern Georg Friedrich Händels und ihres Ehemannes Johann Adolf Hasse bildeten.
Vivica Genaux, Mezzosopran
Anton Steck, Violine
Concerto Köln
Sendung:
WDR 3 Konzert live
Samstag, 13. November 2010, 23:00 Uhr
Herne, Künstlerzeche Unser Fritz 2/3
„Lotophagen“. Trance, Weltflucht und Rausch mit Chiaccone, Follias, Passacalles und Tarantellas des 16. und 17. Jahrhundert von Alessandro Piccinini, Juan Bautista José Cabanilles, Giovanni Battista Vitali, Giovanni Paolo Cima, Gaspar Sanz, Diego Ortiz, Santiago de Murcia, Nicola Matteis, Francesco Corbetta, Bernardo Storace, Giovanni Battista Vitali, Andrea Falconieri und Antonio Bertali
„Wer von der honigsüßen Frucht des Lotos gekostet, der bringt keine Kunde zurück und denkt nicht an Heimkehr.“ Gleich der Frucht, deren betörender Wirkung einige von Odysseus’ Gefährten auf der Insel der Lotophagen verfallen, kann auch Musik als eine Art Droge, als ein perfektes Mittel zum Ablenken und vorüber-gehenden Aussteigen aus dem Lebensalltag wirken. In früheren Zeiten galten besonders die Ciaconnen, Passacaillen, Follias und Tarantellen, Musik über einfache Akkordfolgen und Bässe, als hypnotisch, verführerisch und gefährlich, da man Kontrollverlust oder Abhängigkeit befürchtete. Vorwärtstreibende Ostinati führten zu einem Rendezvous der Sinne, zu Herzklopfen, zur Ekstase. So wurden diese Musikformen benutzt, um sich insbesondere mithilfe des Tanzes in rauschähnliche Zustände zu bringen. Dass diese musikalische Droge noch nichts von ihrer mitreißenden Kraft verloren hat, beweist der United Continuo Service zu nächtlicher Stunde in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3.
Lisa Tur-Bonet, Violine
United Continuo Service:
Jörg Meder, Viola da gamba, Violone
Axel Wolf, Laute, Chitarrone
Bernward Jaime Rudolph, Gitarre
Maria Ferré, Gitarre, L aute
Zita Mikijanska, Cembalo
Peter A. Bauer, Perkussion
Sendung:
WDR 3 Konzert
Donnerstag, 6. Januar 2011, 20:05 Uhr
Sonntag, 14. November 2010, 11:00 Uhr
Herne, Kulturzentrum
„Aiolos“. Tafelmusik für den Gott der Winde
Wolfgang Amadeus Mozart
Serenata in B-dur „Gran Partita“ KV 361/370a
für 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Bassetthörner, 4 Hörner, 2 Fagotte und Kontrabass
Gioacchino Rossini
Harmoniemusik zur Oper „Il Barbiere di Siviglia”
in der Fassung von Alfredo Bernardini auf der Grundlage der historischen Bearbeitung von Wenzel Sedlak
„Schmausen sie stets, bewirtet mit tausend göttlichen Speisen. Und das duftende Haus erschallt von den Tönen der Flöte.“ Zum ewigen Festmahl hat sich der Windgott Aiolos mit seiner Familie niedergelassen; alle Winde bis auf den milden Westwind, der Odysseus in die Heimat bringen kann, gibt er dem Helden in einem Schlauch gefangen mit. Als die Gefährten den Schlauch aus Neugier öffnen, lernen sie eine unbändige Kraft kennen, die sie zur Insel des Windgottes zurücktreibt. – Nach Zephyr, jenem milden Westwind der Mythologie, hat sich das italienische Bläserensemble Zefiro um den Oboisten Alfredo Bernardini benannt. Doch entfaltet es seine Stärken nicht nur in sanften Harmonien, sondern auch in der gebündelten Klangkraft von Oboen, Klarinetten, Hörnern und Fagotten in Sextett- bis Oktettstärke, wie sie samt Kontrabass im 18. Jahrhundert dem Wiener Adel aufspielte, allen voran die „Kaiserliche Harmonie“ der göttergleich zu Tafel sitzenden Habsburger-Familie. Mit Mozarts „Gran Partita“ hat Zefiro in Herne das Meisterwerk unter den Originalkompositionen für Bläserharmonie ausgewählt, die sich hier noch um zwei weitere Hörner und zwei Bassetthörner auf vierzehn Stimmen vermehrt hat. Einen wahren Sturm an mitreißenden Melodien dürfte das Ensemble mit Harmoniemusikfassungen zu Rossinis „Barbier von Sevilla“ entfesseln. Nicht umsonst galten solche Bläserbearbeitungen aus den belieb-testen Opern damals als unangefochtene Repertoireschlager.
Ensemble Zefiro
Leitung: Alfredo Bernardini, Oboe
Sendung:
WDR 3 Konzert
Donnerstag, 13. Januar 2011, 20:05 Uhr
Sonntag, 14. November 2010, 16:00 Uhr
Herne, Kreuzkirche
„Hades“. Geistliche Musik von Alessandro und Domenico Scarlatti
Alessandro Scarlatti
Messa da Requiem für 4 Singstimmen und Basso continuo
Miserere a due cori
Salve Regina für 4 Singstimmen
Domenico Scarlatti
Stabat Mater für 10 Singstimmen und Basso continuo
„Da versammelten sich aus der Tiefe die Seelen der Toten von hier- und von dorther mit unendlichem Schreien. Und es erschien die Seele von meiner verstorbenen Mutter. Mit Jammer sprach sie zu mir die geflügelten Worte: Liebes Kind, wie kamst du herab in das dunstige Dunkel?“ Odysseus fährt in die Unterwelt, um den Seher Teiresias nach seinem Schicksal zu befragen. Sein Ausflug ins Reich des Hades hat etwas Pragmatisches. Es ist keine Liebesprobe, kein Messen mit höheren Mächten. Doch im ewigen Dunkel trifft Odysseus neben Teiresias auch ermordete Kampfgefährten, längst vergessene Helden der Vergangenheit und seine eigene Mutter. Aus bloßer Informations-beschaffung wird eine erschütternde Erkenntnis-reise zu den eigenen Wurzeln, dem Sinn des Lebens und eine große Mahnung zum Toten-gedenken. – Musikalische Vergangenheit als Quelle, Basis und Rahmen innovativer Kreativität auf höchstem Niveau ist ein Hauptmerkmal im Schaffen Alessandro Scarlattis. Dies gilt besonders für seine Kirchenmusik, in der streng-römischer „stile osservato“ und der Einfluss Carlo Gesualdos ebenso präsent sind wie aktuelle Opernerfahrungen. Das Ensemble Cantus Cölln erweist dem großen Sizilianer zu seinem 350. Geburtstag in Herne die Ehre mit drei modernen Erstaufführungen aus seinem geistlichen Œuvre, darunter eine feierliche Totenmesse und ein „Miserere“, das Scarlatti für den Karfreitagsritus des Papstes in der Sixtinischen Kapelle schuf. Hinzu kommt die zehnstimmige Stabat Mater-Vertonung seines Sohnes Domenico, eines der größten Meisterwerke des barocken Vokalrepertoires.
Cantus Cölln
Matthias Müller, Violone
Menno van Delft, Orgel
Leitung: Konrad Junghänel
Sendung: WDR 3 live
Sonntag, 14. November 2010, 19:00 Uhr
Herne, Kulturzentrum
„Penelope“. Claudio Monteverdi/Hans Werner Henze: Il ritorno d’Ulisse in patria
Dramma per musica, Venedig 1641/Rom 1981
Text von Giacomo Badoardo nach Homer in der Bearbeitung von Michael Hampe
„So zerschmolzen ihr die schönen Wangen in Tränen, wie ihren Mann sie beweinte, der bei ihr saß.“ Zwanzig Jahre lang hat Penelope auf ihren Mann Odysseus gewartet, und jetzt erkennt sie ihn nicht wieder. In Claudio Monteverdis „Il ritorno d’Ulisse in patria“ ist Penelope die zentrale Figur, Urahnin aller Ehefrauen der im Krieg Vermissten. Allen Interpreten stellt sich heute die Frage nach der Instrumentierung des Werkes. Lediglich Singstimmen und Bass sind überliefert, nur Sinfonien und Ritornelle mehrstimmig ausgeführt, jedoch ohne Angaben zur Besetzung. Hans Werner Henze nennt seine Bearbeitung der Partiturvorlage „Freie Rekonstruktion“ und erhebt damit einen doppelten Anspruch: einerseits seiner Treue zur Vorlage, andererseits der kreativen Freiheit des (nach)schöpfenden Komponisten. Mit dem WDR Sinfonieorchester Köln unter der Leitung von Brad Lubman und namhaften Gesangssolisten wird diese meisterhafte Komponisten-Koproduktion als Teil des Henze-Projekts der „Kulturhauptstadt Ruhr 2010“ zum Abschluss der Tage Alter Musik in Herne und live auf WDR 3 zu hören sein.
Jupiter: Christian Elsner, Tenor
Neptun/Zeit: Christoph Stephinger, Bass
Minerva/Fortuna: Susanne Bernhard, Sopran
Juno/Melantho/Erikleia: Franziska Gottwald, Mezzosopran
Ulisse: Dominik Wortig, Bariton
Penelope: Christa Mayer, Alt
Telemacho: Maximilian Schmitt, Tenor
Antinoos: Andreas Wolf, Tenor
Amor: Katja Stuber, Sopran
Pisandro: Robert Getchell, Tenor
Eurymachos/Eumete: Marcel Beekman, Tenor
Anfinomos: Johannes Klügling, Tenor
Iro: Fabio Trümpy, Tenor
Knabenchor der Chorakademie am Konzerthaus Dortmund
Einstudierung: Jost Salm
WDR Sinfonieorchester Köln
Leitung: Brad Lubman
Sendung:
WDR 3 Bühne: Radio live
WDR 3 Sonntagskonzerte Alte Musik – Forum Alte Musik Köln
Sonntag, 7. November 2010, 17:00 Uhr
Köln, Comedia Theater
Heinrich Ignaz Franz Biber
Rosenkranz-Sonaten
Der Russe Dmitry Sinkovsky ist spätestens seit seinen unangefochtenen Triumphen beim renommierten Wettbewerb Musica Antiqua in Brügge 2008 und beim Biber-Wettbewerb in St. Florian 2009 ein neuer aufstrebender Stern am Barockgeigen-Himmel. Zusammen mit der Cembalistin Olga Watts kommt Sinkovsky nun nach Köln, um in Auswahl eines der violinistischen Gipfelwerke des 17. Jahrhunderts zu interpretieren: die programmatischen Mysterien- oder Rosenkranz-Sonaten, jenen Zyklus, den der Geigenvirtuose Heinrich Ignaz Franz Biber Mitte der 1670er Jahre seinem Salzburger Fürsterzbischof Maximilian Gandolph von Kuenburg zur privaten Erbauung schrieb.
Dmitry Sinkovsky, Violine
Olga Watts, Cembalo, Orgel
Sendung:
WDR 3 Konzert
Donnerstag, 25. November 2010, 20:05 Uhr
WDR 3 Alte Musik in NRW
Samstag, 23. Oktober 2010, 18:00 Uhr
Köln, Museum für Angewandte Kunst
Concerti da camera
Antonio Vivaldi
Concerto in g-moll RV 105 für Flöte, Violine, Oboe, Fagott und Basso continuo
Trio in g-moll RV 103 für Flöte, Oboe und Fagott
Sonata in D-dur RV 10 für Violine und Basso continuo
Quartett in C-dur RV 801 für Violine, Oboe, Fagott und Basso continuo
Concerto g-moll RV 107 für Flöte, Violine, Oboe, Fagott und Basso continuo
Als Komponist der „Vier Jahreszeiten“ ist Antonio Vivaldi heutzutage weithin bekannt, und auch bei seinen Zeitgenossen war er vor allem für seine Violinkonzerte berühmt. Einen etwas anderen Blickwinkel auf den vielseitigen Venezianer, der seinerzeit auch als Opernkomponist große Erfolge feierte, bieten die Kölner Blockflötistin Dorothee Oberlinger, der italienische Stargeiger Giuliano Carmignola und das Ensemble Zefiro in ihrem Beitrag zum „Kölner Fest für Alte Musik“: Sie haben solistisch besetzte Kammerkonzerte Vivaldis ausgewählt, in denen die Violine mit Flöte, Oboe und Fagott in einen freundschaftlichen künstlerischen Wettstreit tritt.
Dorothee Oberlinger, Blockflöte
Giuliano Carmignola, Violine
Ensemble Zefiro:
Paolo Grazzi, Oboe
Alberto Grazzi, Fagott
Gaetano Nasillo, Violoncello
Luca Guglielmi, Cembalo
Sendung:
WDR 3 Vesper
Samstag, 6. November 2010, 18:05 Uhr
WDR 3 Funkhauskonzert Alte Musik
Montag, 11. Oktober 2010, 20:00 Uhr
Funkhaus Köln
Alessandro Scarlatti: Penelope la Casta
Oper in 3 Akten, Neapel 1696
Odysseus ist endlich von seiner Irrfahrt durch das Mittelmeer nach Hause zurückgekehrt. Von Eifersucht übermannt angesichts der zahlreichen Freier, die seine Gattin Penelope bestürmen, stellt er deren Keuschheit auf die Probe. Er überbringt ihr, verkleidet als eigener Diener, die Nachricht seines Todes. Alessandro Scarlattis Oper von der keuschen Penelope zeigt die Konflikte um die Heimkehr des Odysseus aus einem völlig neuen Blickwinkel. Im Spiel mit weiteren verdeckten Identitäten, im lebhaften Miteinander von ernsten und komischen Rollen wird der Wettstreit um den vermeintlich leeren Thron zu einer facettenreichen Verwechslungsgeschichte. Die Lautten Compagney Berlin bestreitet im Kölner Funkhaus eine der ersten neuzeitlichen konzertanten Aufführungen dieses bisher verborgenen musikalischen Juwels aus dem 17. Jahrhundert – und liefert damit auch eine Art Prolog zu den Tagen Alter Musik in Herne im November mit zehn weiteren WDR 3 Konzerten zum Thema Odyssee.
Penelope: Dorothee Mields, Sopran
Ulisse: Kobie van Rensburg, Tenor
Elvida: Cécile van de Sant, Sopran
Lutezio: Owen Willetts, Altus
Gismondo: Yosemeh Adjei, Altus
Orimante: James Elliott, Tenor
Gildo: Florian Götz, Bariton
Ariene: Bele Kumberger, Sopran
Botschafter: Henning Kaiser, Tenor
Lautten Compagney Berlin
Leitung: Wolfgang Katschner
Sendung:
WDR 3 Bühne: Radio
Sonntag, 19. Dezember 2010, 20:05 Uhr
WDR 3 Funkhauskonzert Alte Musik
Freitag, 24. September 2010, 18:00 Uhr
WDR Funkhaus Köln
Para Violín y Bajo
Juán de Ledesma
Sonata A-dur
Sonata Es-dur
Sonata F-dur
Sonata D-dur
Aus Frankreich importierte Spanien im 18. Jahrhundert seinen König, den Bourbonen Philipp V. – und aus Italien seine Musik: Künstlerpersönlichkeiten wie Farinelli, Domenico Scarlatti, Luigi Boccherini und Gaetano Brunetti gaben seit den 1730er Jahren in Madrid den Ton an. Herausragende Violinliteratur schrieben aber durchaus auch einheimische Künstler – so Juan de Ledesma. Sein originelles kompositorisches Können bezeugt heute einzig noch eine Handvoll Sonaten, die um 1760 Eingang in einen aristokratischen Sammelband fanden und so die Zeiten überdauerten. Die extravagante Violinkunst Ledesmas in diesen Sonaten hat der spanische Geiger Blai Justo wiederentdeckt. Im Kölner Funkhaus stellt er sie vor und wird dabei von Wieland Kuijken am Violoncello und Bernard Zonderman an der Gitarre begleitet.
Blai Justo, Violine
Wieland Kuijken, Violoncello
Bernard Zonderman, Gitarre
Sendung:
WDR 3 Vesper
Samstag, 2. Oktober 2010, 18:05 Uhr
WDR 3 Sonntagskonzerte Alte Musik – Forum Alte Musik Köln
Sonntag, 19. September 2010, 17:00 Uhr
WDR Funkhaus Köln
Robert Schumann
Der Rose Pilgerfahrt op. 112
Requiem Des-dur op. 148
Die Konzertreihe „Forum Alte Musik Köln“, die von nun an kontinuierlich mit WDR 3 zusammenarbeitet, beginnt die neue Spielzeit mit einem heute fast vergessenen Werk aus Robert Schumanns Düsseldorfer Jahren: dem Oratorium Der Rose Pilgerfahrt von 1851. Darin entwirft Schumann in rascher Szenenfolge ein phantasievoll farbiges Klanggemälde, in dem opernhafte Dramatik gegenüber einer schlichten, zuweilen ans Volkstümliche grenzenden Tonsprache zurücktritt. Christoph Spering, einer der Protagonisten der historischen Aufführungspraxis für die Musik des 19. Jahrhunderts, stellt das „romantische Märchen“ im Kölner Funkhaus mit Solisten, seinem Chorus Musicus und seinem Neuen Orchester vor. Eine ideale Ergänzung des Oratoriums bildet die abgeklärt-trostreiche Musik von Schumanns Requiem op. 148.
Britta Stallmeister, Sopran
Antonia Bourvé, Sopran
Olivia Vermeulen, Mezzosopran
Daniel Behle, Tenor
Tobias Berndt, Bass
Sebastian Kitzinger, Bass
Chorus Musicus
Das Neue Orchester
Leitung: Christoph Spering
Sendung:
WDR 3 Bühne: Radio
Sonntag, 3. Oktober 2010, 20:05 Uhr
WDR 3 Funkhauskonzert Alte Musik
Dienstag, 29. Juni 2010, 20:00 Uhr
WDR Funkhaus Köln
Ars moriendi
Ein musiktheatralisches Projekt über die Kunst des Sterbens mit zeitgenössischen Texten sowie englischer Musik des 16. und 17. Jahrhunderts von Henry Purcell, Thomas Weelkes, Henry Lawes u. a.
Henry Purcells Funeral Music for Queen Mary von 1693, ursprünglich als Begleitmusik im Schreiten und Begleiten des Sarges ausgeführt, gelangt in einem modernen theatralen Umfeld zu neuer Bedeutung: Ars moriendi ist ein gemeinsames Musiktheaterprojekt der Basler Theatergruppe CapriConnection um die Schauspielerin und Regisseurin Anna-Sophie Mahler und eines Musikensembles der Schola Cantorum Basiliensis um den Lautenisten Anthony Rooley. Englischen Kompositionen aus dem späten 16. und dem 17. Jahrhundert werden Gespräche gegenübergestellt, die ausgehend von Jean Baudrillards Buch Der symbolische Tausch und der Tod den Themenkomplex des allgegenwärtigen, aber verdrängten Todes umkreisen. In dem Sinne, in dem der Tod das Leben begrenzt, begrenzt und strukturiert die Musik das Gespräch: Während sich die MusikerInnen immer mehr ausbreiten, schwinden auf eine gewisse Art Raum und Zeit, die den Schauspielerinnen und Schauspielern zur Verfügung stehen. Das sprachliche und szenische Geschehen geht langsam, aber kontinuierlich im Sinne eines symbolischen Tauschs gänzlich in ein musikalisches über …
Theatergruppe CapriConnection
Regie Anna-Sophie Mahler
Vokal- und Instrumentalensemble der Schola Cantorum Basiliensis
Leitung Anthony Rooley
Sendung:
WDR 3 Bühne: Radio
Sonntag, 11. Juli 2010, 20:05 Uhr
WDR 3 Alte Musik in NRW
Dienstag, 15. Juni 2010, 20:00 Uhr
Hagen, Schloss Hohenlimburg
Bach und sein italienischen Wurzeln
Alessandro Scarlatti
Toccata per Cembalo d’ottava stesa
Carlo Gesualdo da Venosa
Canzon francese del Principe
Domenico Scarlatti
Sonate D-dur K 258
Sonate D-dur K 53
Johann Sebastian Bach
Inventio, Sinfonia B-dur, BWV 785, 800
Praeludium und Fuge a-moll, BWV 889
Praeludium und Fuge C-dur BWV 870
Inventio, Sinfonia h-moll, BWV 786, 801
Italienisches Konzert F-dur, BWV 971
Bei ihrem Debütkonzert im Rahmen des Klavier-Festivals Ruhr gibt die junge Cembalistin Magdalena Malec einen Überblick über die italienische Tastenkunst von der Renaissance bis zum Hochbarock ‒ von Carlo Gesualdo, dem Fürsten von Venosa, dessen chromatisch geprägte Harmonik einen Weg in die Zukunft wies, über Alessandro Scarlatti, der einhundert Jahre nach Gesualdo einem neuen, noch heute überzeugenden formalen Gestaltungskonzept nachging, bis zu seinem Sohn Domenico, der mit seiner fulminanten Tastenvirtuosität Seinesgleichen suchte. Domenico Scarlatti wurde vor 325 Jahren geboren, ebenso wie Johann Sebastian Bach, dem Magdalena Malec ihre zweite Konzerthälfte widmet: mit Kompositionen in der Tonartenfolge b ‒ a ‒ c ‒ h und dem Italienischen Konzert BWV 971, Bachs cembalistischer Hommage an die Concerto-Tradition des Südens.
Magdalena Malec, Cembalo
Sendung:
WDR 3 Konzert
Donnerstag, 1. Juli 2010, 20:05 Uhr
WDR 3 Funkhauskonzert Alte Musik
Freitag, 11. Juni 2010, 18:00 Uhr
WDR Funkhaus Köln
Klaviertrio in Variationen
Ludwig van Beethoven (1770-1827)
Trio für Klavier, Violine und Violoncello c-moll op. 1/3 (1793)
Trio für Klavier, Violine und Violoncello B-dur op. 11 (1797) ›Gassenhauer‹
Trio für Klavier, Violine und Violoncello D-dur nach der zweiten Sinfonie op. 36 (1803)
Gut gemeint war der Rat des Lehrers Joseph Haydn an seinen Schüler Ludwig van Beethoven, das dramatische Klaviertrio in c-moll lieber nicht in jenen Notendruck aufzunehmen, mit dem der 23-Jährige auf dem Musikalienmarkt zu debütieren gedachte: es sei zu dramatisch und kompositorisch zu komplex fürs große Publikum. Beethoven nahm Haydn diese Bemerkung übel, setzte das Moll-Trio trotzig an das Ende seines Opus 1 ‒ und erzielte einen durchschlagenden Erfolg, der bis heute anhält. Dass Beethoven im Klaviertrio aber auch den Ton geselliger Unterhaltungsmusik zu treffen verstand, wie ihn Haydn mit dieser Gattung verband, unterstreichen die beiden Werke, die das Trio Einstein dem c-moll-Trio an die Seite stellt: das nach seinem populären Variationen-Thema als ›Gassenhauer-Trio‹ bekannte Opus 11 und jene Trio-Fassung, dank deren Beethovens Gönner Carl von Lichnowsky auch im heimischen Salon die Musik der 2. Sinfonie erklingen lassen konnte.
Trio Einstein:
Rüdiger Lotter, Violine
Sebastian Heß, Violoncello
Christine Schornsheim, Hammerklavier
Sendung:
WDR 3 Konzert
Montag, 12. Juli 2010, 20:05 Uhr
WDR 3 Alte Musik in NRW
Freitag, 28. Mai 2010, 20:00 Uhr
Brühl, Christuskirche
Alessandro Scarlatti: Concerti sacri
Alessandro Scarlattis Kirchenwerke seien »das Beste, was man in der Art habe«, äußerte der neapolitanische Komponist Niccolò Jommelli noch 1770 gegenüber Charles Burney, dem englischen Reisenden in Sachen Musik. Da war der aus Palermo stammende, aber lange Zeit seines Lebens in Rom tätige Scarlatti schon 45 Jahre tot. Sein Gedenkjahr 2010 ‒ er wurde vor 350 Jahren, am 2. Mai 1660 geboren ‒ ist für den italienischen Barockgeiger Enrico Gatti und sein Ensemble Aurora ein willkommener Anlass, die geistliche Musik Scarlattis für mehrere Singstimmen und Instrumente einmal in den Mittelpunkt eines Konzertprogramms zu stellen. Im barocken Ambiente der Brühler Schlosskirche erklingen an diesem Abend außerdem Instrumentalsonaten von Scarlattis Zeitgenossen Antonio Caldara und Antonio Vivaldi.
Ensemble Aurora
Enrico Gatti, Violine und Leitung
Sendung:
WDR 3 Konzert
Mittwoch, 23. Juni 2010, 20:05 Uhr
WDR 3 Funkhauskonzert Alte Musik
Freitag, 16. April 2010, 18:00 Uhr
WDR Funkhaus Köln
Italienische Serenade
Musik für Flöte und Gitarre aus dem 19. Jahrhundert
von Francesco Molino, Ferdinando Carulli und Mauro Giuliani
„Bey Nacht unter dem Fenster stehen, und die Gluth eines liebenden Herzens in süssen Liedern in die Pomeranzenblüthenluft hauchen, die von einem kühlen Zephyr hinauf zur Angebetheten getragen, und von ihrem lauschenden Ohre mit Heisshunger verschlungen werden, diess wird immer und ewig des Italieners Freude bleiben ...“
Nicht zufällig wird der anonyme Korrespondent der Allgemeinen Musikalischen Zeitung das Bild des abendlichen Ständchens heraufbeschworen haben, als er im Mai 1823 aus Rom vom denkwürdigen Zusammentreffen des Wiener Flötenvirtuosen Sedlatzek mit seinem italienischen Gitarrenkollegen Mauro Giuliani berichtete. Er umschreibt damit die romantische Aura jener eleganten Gitarrenmusik, die sich in so vielen Kompositionen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit dem sanften Ton der Flöte zusammentat. Martin Sandhoff und Wulfin Lieske spüren dem Charme dieser italienischen Serenadenmusik im Kölner Funkhauskonzert nach. Dazu bringen sie nicht nur Duokompositionen von Giuliani und seinen Kollegen Francesco Molino und Ferdinando Carulli mit, sondern auch zwei besondere Instrumente: die Kopie einer Dresdner Traversflöte von 1816 und eine originale spanische Meistergitarre von 1856.
Martin Sandhoff, Traversflöte
Wulfin Lieske, romantische Gitarre
Sendung:
WDR 3 Vesper
Samstag, 1. Mai 2010, 18:05 Uhr
WDR 3 Alte Musik in NRW
Freitag, 12. März 2010, 19:00 Uhr
Essen, Schloss Borbeck
Stadtpfeifer, Piffari, Ministriles, Waits
Musik der Bläserensembles Europas und Lateinamerikas im späten 16. Jahrhundert von Giovanni Pierluigi da Palestrina, William Brade, Francisco Guerrero, Juan del Encina, Luca Marenzio und John Coprario
Ob in Italien, Spanien, England, Deutschland oder auch in Südamerika: Jede Stadt, die etwas auf sich hielt, verfügte in Renaissance und Barock über ein stattliches Bläserensemble, das seinen Mitbürgern aufspielte, bei öffentlichen und privaten Feiern oder einfach zur allgemeinen Erbauung. Das junge Ensemble I Fedeli, 2009 Preisträger bei der renommierten International Young Artist's Presentation des Antwerpener Festivals Laus Polyphoniae, tritt musikalisch in die Fußstapfen der historischen Piffari, Ministriles, Waits und Stadtpfeifer.
I Fedeli
Josué Meléndez, Gawain Glenton, Zink
Ann Allen, Pommer
Catherine Motuz, Posaune
Nora Hansen, Dulzian
Javier Núñez, Orgel
Sendung:
WDR 3 Vesper
Samstag, 3. April 2010, 18:05 Uhr
WDR Funkhauskonzert Alte Musik
Freitag, 26. Februar 2010, 18:00 Uhr
WDR Funkhaus Köln
Bach privat
Solokompositionen von Johann Paul Westhoff, Johann Joseph Vilsmayr, Georg Philipp Telemann und Johann Sebastian Bach
Der junge Johann Sebastian Bach begrüßt in seiner Privatwohnung besondere Gäste: die Virtuosen Johann Joseph Vilsmayr und Johann Paul Westhoff haben ihre edlen Geigen bereits gestimmt, und Bachs Freund Telemann spielt eine seiner beliebten Fantasien. Nach einem köstlichen Mahl präsentiert Bach den Entwurf seiner Sei Solo a Violino senza Basso accompagnato. Die Gäste kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus...
Gunar Letzbor, Violine
Sendung:
WDR 3 Vesper
Samstag, 6. März 2010, 18:05 Uhr
WDR 3 Alte Musik in NRW
Freitag, 29. Januar 2010, 20:00 Uhr
Mönchengladbach, Schloss Rheydt
Violinsonaten aus Österreich
von Clemens Mathia ab Ehrenruef, Antonio Bertali, Giovanni Girolamo Kapsberger, Johann Heinrich Schmelzer, Georg Muffat u. a.
Über ganz Europa verstreut finden sich in den Musikbeständen alter Schlösser und Kirchen wertvolle Zeugnisse der blühenden Musikkultur Habsburgs. Musiker und Komponisten ersten Ranges aus den Ländern diesseits und jenseits de Alpen zählte das Herrscherhaus im 17. und 18. Jahrhundert – unter selbst musizierenden und komponierenden Kaisern – zu den Mitgliedern seiner Hofkapelle. Ebenso bereitwillig schenkte man reisenden Virtuosen sein Gehör, wofür diese sich in der Regel mit eigens komponierten Widmungswerken revanchierten.
Die Geigerin Veronika Skuplik und ihre Begleiter Andreas Arend und Luca Guglielmi stellen in Schloss Rheydt Preziosen aus diesem habsburgischen Repertoire vor, die zum Teil seit drei Jahrhunderten nicht mehr erklungen sind. Darunter zwei Sonaten eines Clemens Matthia ab Ehrenruef, bei dem es sich vermutlich um den Sohn des Wiener Hofkapellmeisters und Meistergeigers Heinrich Schmelzers handelt. .
Veronika Skuplik, Violine
Andreas Arend, Chitarrone
Luca Guglielmi, Orgel, Cembalo
Sendung:
WDR 3 Vesper
Samstag, 20. Februar 2010, 18:05 Uhr