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creole 2010 - Weltmusik aus NRW
Musikkulturen ’mit Migrationshintergrund’: der Wettbewerb „Creole NRW 2010“ präsentiert die Creme musikalischer Fusionen und interkultureller Kreativität an Rhein und Ruhr. Aus vielen Ländern kamen Einwanderer, darunter auch Musikerinnen und Musiker, nach Nordrhein-Westfalen: zum Studium, zum Arbeiten, als Flüchtlinge. Viele, Laien wie Profis, pflegen die Musiken ihrer Heimaten, um sich ein Stück Vertrautheit in fremder Umgebung zu bewahren. Aber die kulturelle Szenerie ist bunt hierzulande, und sie animiert. Aus zufälligen Begegnungen an musikalischen Orten entstehen Projekte, Konzepte noch nie gehörter, spannender neuer Musik. Globalisierung zeigt sich hier von ihrer schönsten Seite: als Gold für’s Ohr und eine runde Sache – „creole“.
Als Preisträger und NRW-Vertreter beim Berliner Creole-Bundeswettbewerb 2011 wurden am 9. Oktober 2010 in Dortmund diese Ensembles gekürt: Kavpersaz, Duo Santoor und Uwaga!
Ensembles bei "creole NRW 2010"
Touch of Noise
Klangzauber und Trommelfeuerwerk
Touch of Noise verbindet äußerst unterschiedliche Elemente zu einer besonderen Mixtur aus brasilianischer Lebensfreude und nordischer Weite, aus asiatischer Magie und afrikanischer Trommelkunst.
Das Quintett gestaltet seinen Klangzauber aus einem umfangreichen Instrumentarium: Cello trifft auf asiatische Gongs, hauchfeine Melodien von Saxophon und Klarinette begegnen den unterschiedlichsten Trommeln, archaische Gesänge vermischen sich mit den Sounds von Marimba und Daumenklavier zu stimmungsvollen Klangbildern. Hinzu kommen ausgefallene Instrumente wie ein Fass vom Hamburger Fischmarkt oder Gongs aus gläsernen Röhren sowie bis zu zwei Meter lange Orgelpfeifen, die durch Eintauchen in Wasser zum Klingen gebracht werden.
Moritz Reinisch, Tenor- und Sopransaxophon, Bassklarinette, Perkussion
Barbara Burghardt, Gesang, Cello, Marimba, Perkussion
Udo Engler, Changoo, Darabukka, Marimba, Waterphone, Perkussion
Andreas Seewig, Kongas, Cajon, Pandeiro, Fasstrommel
Jochen Mariss, Cello, Talking drum, Fasstrommel, Waterphone, Marimba
Klangprobe Touch of Noise
Gipsy Pearls
Virtuoser Balkan
Manchmal braucht gute Musik nur zwei Zutaten wie ein Akkordeon und die Stimme. Bei den „Gipsy Pearls“ umspielt das äußerst facettenreiche Akkordeon von Dragan Mitiović den eindringlichen Gesang von Rada Radojčić. Das Duo begibt sich auf eine musikalisch-lyrische Reise durch verschiedene Kulturen, wobei der Balkan als virtuose Startrampe für weitläufige Ausflüge dient: für Lieder der 20er bis 40er Jahre, Gipsysongs, Chansons, sowie russische Romanzen, und traditionelle Lieder vom Balkan. Diese bunte Mixtur wird mit Elementen aus Swing, Jazz und Funk angereichert.
Mit ihrer Melange von feurigen, lebhaften, mitreißenden bis hin zu bedächtigen, stimmungsvoll-melancholischen Stücken erzählen sie Geschichten, die zum Lachen, zum Weinen und zum Träumen einladen.
Dragan Mitiović, Akkordeon
Rada Radojčić, Gesang
Klangprobe Gipsy Pearls
Badeken di Kallah
Hoch-Zeit für Klezmer
Von der alten Welt des osteuropäischen ‚Shtetl’ zeugt die Musik der Klezmer, der jüdischen Spielleute - von einer Welt der kleinen Leute mit ihren Träumen und Sehnsüchten und ihrer Fröhlichkeit, mit ihrer Trauer und Lebenskraft, die sich im Rhythmus ihrer Musik wieder findet. All diese Momente waren Triebfeder zur Gründung dieses Ensembles.
Das Quartett spielte schon häufig in Synagogen und arbeitete mit dem „Ballett Schindowski“ des „Musiktheaters im Revier“.
Norbert Labatzki, Klarinette, Bassklarinette
Rainer Ortner, Akkordeon
Christian Hammer, Gitarre
Sven Vilhelmsson, Kontrabass
Klangprobe Badeken di Kallah
Ablaye Cissoko - Volker Goetze Duo
Komplementäre Klangfarben
Ein Stegharfenspieler aus dem südlichen Senegal und ein Trompeter aus dem Bergischen Land bilden dieses außergewöhnliche Duo. 2001 traten Ablaye Cissoko und der Trompeter Volker Goetze gemeinsam im Senegal als Vorgruppe für Youssou N'Dour auf. Schon bald entdeckten sie trotz aller kulturellen Unterschiede eine große Schnittmenge an musikalischen und persönlichen Gemeinsamkeiten. Über die Jahre entwickelte sich eine Freundschaft, aus der ein gemeinsames kulturelles und soziales Engagement hervorging. Cissokos Interesse am Jazz und Goetzes Interesse an westafrikanischer Musik waren sich wunderbar ergänzende Voraussetzungen für einen fesselnden Dialog, den der senegalesische Künstler kurz und präzise ausdrückt: „Aus unserer Verschiedenheit wächst eine Kraft“.
Ablaye Cissoko, Kora und Gesang
Volker Goetze, Trompete
Klangprobe Duo Cissoko-Goetze
White Canvas Quartett
Grenzenlose Musikwelten
Diese ‚freie Leinwand’ spiegelt eine musikalisch immer verflochtenere Erde wider. Ursprünglich ganz aus der Improvisation gewachsen, ist die Musik des Ensembles heute bewusste und intuitive Auseinandersetzung mit unserem klanglichen Weltkulturerbe. Die Musik des White Canvas Quartets versteht sich als eine freistilistische Begegnung von ethnischen und archaischen Klängen, elektronischen Loops und klassischer Tongebung. Afrika und Indien, Regenwald und Wüste, pulsierend und frei fließend, Obertöniges und gestrichene Gitarrensaiten – alles zutiefst verwandt und miteinander verbunden. Diese Elemente scheinen sich selbst zu einem assoziativen Ganzen zu verflechten, in dem die Stimme von Rena Meyer Weil eine Vielzahl sehr verschiedener Instrumente erscheinen lässt.
Rena Meyer Wiel, Gesang
Rolf Beydemüller, Gitarren
Christoph Selbach, Keyboards
Christoph Schumacher, Schlagzeug, Perkussion
Klangprobe White Canvas
Banda Pelodum
AfroSambaReggaeSoul
Was passiert, wenn sechs Vollblut-Musiker mit völlig unterschiedlichen musikalischen Backgrounds aufeinander treffen? In diesem speziellen Fall entstand daraus: AfroSambaReggaeSoul. Banda Pelodum schöpft aus ihren multi-kulturellen Einflüssen und mischt Stile wie Samba-Reggae, Funk, Soul, Afro und Latin zu einem eigenständigen Sound.
Banda Pelodum verfügt über eine außergewöhnliche musikalische Bandbreite und bleibt dennoch im Herzen den lebhaften afro-brasilianischen Rhythmen treu – ungekünstelt und mit großer Leidenschaft vorgetragen.
Danilo da Silva, Perkussion
Ina da Silva , Gitarre, Gesang, Perkussion
Jeffrey Amankwa, Gesang
Markus Conrad, Gitarre
Mic Thieme, Bass
Marcel Settner, Schlagzeug
Klangprobe Banda Pelodum
Duo Santoor
Iranische Saitenphantasien
Der Santoor ist eine alte persische Form der Zither, verwandt mit dem Hackbrett, dem ungarischen Cymbal und dem griechischen Santouri. Die bis zu 72 Saiten werden mit schmalen Holzschlegeln angeschlagen. Er gilt in der iranischen Kunstmusik als ein edles, intimes Instrument und erklingt daher oft solo oder in kleinen Ensembles.
Das „Duo Santoor“ ist das erste iranische Ensemble, das professionell für zwei Santoors komponiert, arrangiert und selbst vorträgt und deren Eigenart aufgreift: der pfeilschnelle Anschlag der Schlegel erfordert eine enge Verzahnung im Spiel der beiden Musiker und der anhaltende Saitenklang kreiert eine schwebende Mehrstimmigkeit.
Nach Abschluss ihres Studiums in Teheran beschlossen sie im Jahre 2006, ihr Studium im Frankreich bzw. in Deutschland fortzusetzen und als „Duo Santoor“ die Möglichkeiten der persischen Zither weiter auszuloten.
Poolad Torkamanrad, Santoor
Rouzbeh Motia, Santoor
Klangprobe Duo Santoor
Diagilew Project
Weißrussischer Ethnojazz
„Belarus“ ist ein weißer Fleck auf der weltmusikalischen Landkarte des Westens. Das stellte Maksim Diagilew fest, als er nach einem Klassik-Studium in Weißrussland in Dortmund und Essen ein Jazzstudium anschloss und damit seine technischen Fertigkeiten auf dem Saxophon abrundete. Sein im Dezember 2006 gegründetes Diagilew-Project zeigt Weltmusik als hohe Kunst der Kultivierung von Heimweh, angereichert mit den bunten Klangfarben der Diaspora. In NRW traf der Saxophonist hervorragende Musiker aus seiner alten Heimat.
Das Diagilew-Project greift traditionelle Stücke auf und transportiert sie in die Jetzt-Zeit, ohne deren Eigenart zu verzerren.
Tatiana Kovaleva, Gesang
Maksim Diagilew, Saxophon, Klarinette, Ocarina
Vitalij Zolotov, Gitarre
Artjom Frenkel, Kontrabass, E-Bass
Timofey Birukov, Schlagzeug, Vibraphon
Klangprobe Diagilew Project
Kavpersaz
Anregendes Anatolien
Die Instrumentierung des Quartetts lässt zunächst traditionelle Musik aus Anatolien vermuten. Bei Kavpersaz dienen die Roots jedoch nicht als dekoratives Beiwerk, nicht der beiläufigen folkloristischen Unterhaltung, es nutzt das Potential der anatolischen Musiktraditionen. Das Quartett kreiert aus dem Klangreservoir seiner Instrumente und aus dem melodischen und rhythmischen Reichtum Anatoliens einen konzertanten Kosmos.
Nach jahrelanger Bühnenerfahrung in verschiedenen Bands schlossen sich die vier türkischen und kurdischen Musiker erst vor wenigen Monaten zu einem eigenen Ensemble zusammen, um ihre Erfahrungen in ein kunstvolles Ensemblespiel einzubringen.
Yasin Boyraz, Kaval und Erbane
Umut Yılmaz, Bağlama
Fethi Ak, Darbuka u.a.
Barış Boyraz, Klassische Gitarre, Davul
Klangprobe Kavpersaz
Kleopatra
Afro oriental project
Ob das funktioniert? Fünf Musiker aus so unterschiedlichen Ländern wie Tunesien, der Ukraine und Deutschland treffen sich zum „Afro-Oriental-Project“. In der gemeinsamen Beschäftigung mit den Roots aus „le grand maghreb“ (Marokko, Tunesien und Algerien) entdecken sie immer neue Anknüpfungspunkte und erfrischende Anregungen.
Charakteristisch sind die Rhythmus versprühenden Arrangements, die auch ein tanzwütiges Publikum begeistern. Doch Kleopatra bügelt keineswegs die komplexe Rhythmik und Harmonik der verschiedenen Stile glatt, denn ihr Konzert soll auch ein Erlebnis für Zuhörer sein.
Sahbi Amara, Oud, Perkussion, Gesang
Jens Pollheide, bundloser Bass, Flöte
Volker Sipplie, Schlagzeug, Perkussion
Vadim Laktionov, Trompete
Nikola Seegers, Sopran- & Tenorsaxophon
Klangprobe Kleopatra
Sina Nossa
Eine Leidenschaft aus Fado
Sina Nossa bedeutet: „unsere Bestimmung“. Dieser Gruppenname drückt das Selbstverständnis der Gruppe aus, denn die Musiker leben ihre Musik mit ungeheurer Intensität. Das Septett aus NRW hat überwiegend portugiesische Wurzeln und verbleibt dennoch nicht im Hausgemachten: mit dem Fado als treibende Kraft überwindet Sina Nossa enge stilistische Grenzen und vereint Elemente von Klassik, Jazz, Latin und Pop. Diese Öffnung zeigt sich auch in der Instrumentierung: mit Piano und Konzertgitarre, Kontrabass, Akkordeon und Perkussion. Selbstverständlich behält die portugiesische Gitarre in dieser fein nuancierten Symbiose ihren angestammten Platz.
Anabela Ribeiro, Gesang
Armindo Ribeiro, Piano, Gesang
Ivo Guedes, portugiesische Gitarre
André Krengel, Gitarre
Adélio Lopes, Akkordeon
André De Cayres, Kontrabass
Jorge Rodrigues, Perkussion, Gesang
Klangprobe Sina Nossa
Lagash
Neue Musik Mesopotamiens
Lagash heißt die 5.000 Jahre alte, sumerische Stadt in Südmesopotamien.
In der solistischen Quartettbesetzung mit der irakischen Kniegeige Djoze und Perkussion, mit Klarinette und Piano fasziniert Lagash mit komplexen Klanggebilden, verführerischen orientalischen Melodien, melancholischen Harmonien, überraschenden Rhythmen und größter Präzision im Respekt vor Jahrhunderte altem Maqamat.
Maqam ist ein melodischer Modus in der klassischen arabischen Musik. Eine zeitgemäße Aufarbeitung bedeutet heute für das Quartett, der alten Form neue Impulse zu geben. So treten die instrumentalen Begleitstimmen in den Werken gleichberechtigt neben die melodisch-rhythmische Virtuosität des Gesangs. In den Stücken von Lagash finden sich komponierte und improvisierte Werkteile.
Saad Thamir, Gesang, Perkussion
Bassem Hawar, Djoze
Christina Fuchs, Klarinette, Bassklarinette
Jarry Singla, Klavier
Klangprobe Lagash
Ensemble Draj
Jüdische Liederwelten
Das Trio spiegelt Geschichten, von denen jiddische Lieder erzählen, in Musik. Diese hochemotionalen Lieder berichten von tiefer Armut, von alten Menschen, aber auch vom Verliebtsein und von Hoffnung in schwierigen Zeiten. Sie sind Zeugnisse einer vergangenen jüdischen Welt. Abseits der Liedermacherkultur, in der das Wort dominiert, greift das Ensemble Draj zu einer deutenden Textmusik, die zugleich konzertant und lustvoll daherkommt.
Die Eigenart jedes Liedes wird gestaltet von den Musikerfahrungen der drei Musiker. Stilelemente aus Klassik, Neuer Musik, Blues, Moderner Klassik geben jüdische Geschichte(n) wieder. Hier wird ein Motiv von Erik Satie fein versponnen, dort blitzt ein kleines Zitat von ‚King Crimson’ auf, ein orientalischer „Taksim“ wird zum improvisierten Intro und der chassidische Nigun mutiert zum Scatgesang,
Manuela Weichenrieder, Gesang
Ralf Kaupenjohann, Akkordeon
Ludger Schmidt, Cello
Klangprobe Draj
UWAGA !
Feurige Vielharmonie
Alles begann mit zwei Duos und ihrer gemeinsamen Schnittmenge: Die Geiger Maurice Maurer und Christoph König „teilten“ sich lange Zeit den Akkordeonisten Miroslaw Tybora als Duo-Partner. Der Weg zu einem gemeinsamen Trio war also sehr nahe liegend.
„Uwaga!“ heißt: „Achtung!“. Gleich der erste Auftritt der vitalen Formation bestätigte mit seinen Begeisterungsstürmen die Berechtigung des Bandnamens. Im Herbst 2007 komplettierte sich das Trio mit Markus Conrads am Bass zu seiner Idealbesetzung. Aus den unterschiedlichen Erfahrungen der vier Musiker entstand ein vielseitiges Repertoire. Bekannte Stücke werden in einem überraschenden Arrangement präsentiert. Uwaga! vereint scheinbar unvereinbare Gegensätze: die Ernsthaftigkeit der Klassik mit dem ungezügelten Temperament traditioneller Zigeunermusik, die emotionale Tiefe des Tangos mit der lebhaften Spontaneität des Jazz.
Maurice Maurer, Geige
Christoph König, Geige
Miroslaw Tybora, Akkordeon
Markus Conrads, Bass
Klangprobe Uwaga!
Sendungen mit Aufnahmen von "creole NRW 2010":































