Freitag, 24.02.12 um 23:05 Uhr
Entweder bin ich irr oder die Welt
Von Matthias Baxmann
nach dem Tagebuch „Sangerhausen“ von Einar Schleef
; Rechte„Das große Bild brennt am Förderturm, dann stürzt es runter. Ich renne nach Hause, die Panzer stehen vor der Tür.“ Es ist der 17. Juni 1953 in der DDR, Einar Schleef ist neun Jahre alt. „Mittag. Beide schweigen. Vater duckt sich, Mutter löffelt. Wir sehen uns in die Augen. Er sieht weg.“
Dass das letzte Hauptwerk des Malers, Autors, Regisseurs und Schauspielers Einar Schleef noch existiert, ist seiner Mutter zu verdanken. Sie hat die frühen Tagebuchaufzeichnungen ihres 1944 in Sangerhausen geborenen Sohnes im Kohlenkeller vergraben, nachdem er die DDR 1976 verlassen hatte. Die Kohlen ließ die Stasi unberührt und so überlebten die Aufzeichnungen der 1950er- und 60er-Jahre. Schleef hat sie bis zu seinem Tod fortgeführt, umgeschrieben und immer wieder kommentiert. Zur Veröffentlichung kam es erst 2004, drei Jahre nach Schleefs Tod.
Matthias Baxmann, geboren 1957 in Ost-Berlin, ist Autor von Hörspielen und Features. Sein Hörspiel „Kein Brief heute, kein Brief morgen“ (MDR 2003) wurde Hörspiel des Jahres. „Entweder bin ich irr oder die Welt“ wurde 2006 mit dem ARD Hörspielpreis und dem ARD Online-Award ausgezeichnet.
Mit Sylvester Groth und Angelica Domröse
Regie: Ulrich Lampen
Produktion: SWR/WDR 2006/74’
Redaktion: Isabel Platthaus














