Dienstag, 29.09.09 um 23:05 Uhr
Ostperanto Folkjazz
Kapelsky im Porträt
Von Antje Hollunder
"Ostperanto-Folkjazz" nennt Kapelsky seine Musik: Sound und Repertoire des Trios verschmelzen Stilelemente verschiedener europäischer Zigeuner-Musiken mit jazziger Experimentierlust und ohne Rücksicht auf Traditionsdogmen. Die Instrumentierung (Geige, Gitarre, Kontrabass) steht dem französischen Gypsy Swing nahe, wie er durch Django Reinhardt und Stephane Grappelli bekannt wurde.
Klezmer-Traditionals erhalten eine persönliche, zeitgenössische Kapelsky-Note. Bei ihren Eigenkompositionen erweitert die Band (auch gelegentlich mit Gastakkordeonist Rik Cornelissen) das harmonisch-rhythmische Vokabular des Folkloristischen: Aufbruch in zeitgenössische Jazzgefilde. Umgekehrt aber werden auch scheinbar genrefremde Elemente folklorisiert: so erscheint ein Miles-Davis-Titel unversehens in orientalisch-balkanesker Atmosphäre, wird das Pathos des bombastischen Strauss’schen "Zarathustra"-Themas zu einer schelmischen Polka verballhornt. Überhaupt: Humor blitzt immer wieder, und die drei von Kapelsky spielen leidenschaftlich gerne mit und gegen Klischees. So dass sie, neben anderen illustren Bewunderern, Marcel Reich-Ranicki zu zitieren wagen: "Ich habe in Erwägung gezogen, mit diesen jungen Musikern ein Quartett zu gründen".
Aufnahmen aus einem WDR 3 Funkhauskonzert vom 21. August 2009.
Mit Jan Weichsel (Geige, Bratsche, Mandoline),
Michael Ashauer (Kontrabass, Chickenshake),
Gregor Hengesbach (Gitarre) und
als Gast Rik Cornelissen (Akkordeon)
Redaktion: Werner Fuhr
















