Sonntag, 12.02.12 um 23:05 Uhr
Musik der Zeit 60
Orchester-Visionen [6] Rituale
Mit Kornelia Bittmann
Außereuropäische Einflüsse - aus Japan, Tibet oder Indien - schlagen sich in den Orchester-Stücken nieder, die Jean-Claude Eloy und Claude Vivier in den 70er Jahren entworfen haben. Eloys Kâmakalâ (1971) ist ein halbstündiges, auf alle Dimensionen der Klangorganisation übergreifendes Crescendo, das den kontinuierlichen Prozess der akustischen Energie illustriert. Die tiefen Stimmen zu Beginn erinnern an die Musik tibetanischer Mönche, ihr Einsatz entspricht im weiteren Verlauf einer planetarischen Öffnung der vokalen Techniken.
Claude Vivier beruft sich in seinem Tonpoem Siddhartha (1976) auf Hermann Hesses Indien-Roman - und damit auf ein überkonfessionelles Selbstfindungs- und Erleuchtungs-Erlebnis. Auch dies ist, wie so oft bei Vivier, ein Bekenntnis zum pathetischen Melos - zwischen Kitsch und Exotik: ergreifend und zugleich rätselhaft schön.
Claude Vivier
Siddhartha für Orchester in acht Gruppen
WDR Sinfonieorchester Köln,
Leitung Peter Rundel
Jean-Claude Eloy
Kâmakalâ für 3 Chöre und 3 Orchester
Schola Cantorum Stuttgart, WDR Rundfunkchor und Sinfonieorchester Köln,
Leitung Bernhard Kontarsky, Jacques Mercier und Michel Tabachnik
Redaktion: Harry Vogt











