Sonntag, 09.10.11 um 18:05 Uhr
WDR 3 Resonanzen Weltweit
Die Welt aus dem Blickwinkel der Kultur
Mit Annette Hager
18.05 bis 19.00 Uhr
Ungarn am Scheideweg
Fidesz – wie sich Victor Orbáns Demokraten Richtung großbürgerlichen Nationalismus bewegen
Gegründet hat sich der Fidesz – die Partei des rechtskonservativen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán - vor gut 23 Jahren. Damals stand Fidesz als Abkürzung für „Bund der jungen Demokraten“. Man sah sich als linksliberal, war äußerst kritisch nicht nur gegenüber ehemals kommunistischen Wendehälsen, sondern auch gegenüber der autoritären Kirche. Die Zeiten haben sich geändert: Fidesz steht heute für „Ungarischer Bürgerbund“. Sein politisches Selbstverständnis wird geprägt von konservativem Christentum und großungarischem Nationalismus. Und seine Anhänger verehren Viktor Orbán fast wie einen König.
Eine Reportage von Jan-Uwe Stahr
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Hetzjagd auf Andersdenkende
Das Problem, in Ungarn Philosoph zu sein
„Ich möchte Sie davon in Kenntnis setzen, dass in Ungarn jüngst eine Hetzjagd gegen Philosophen wie Agnes Heller, Mihály Vajda, Sándor Radnóti und andere begonnen hat. Wie Sie wissen, ist vom ungarischen Parlament vor Kurzem ein Mediengesetz verabschiedet worden, das sich mit den europäischen Normen nicht vereinbaren lässt. Dieses Mediengesetz ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Es lässt sich eine ganze Reihe weiterer Maßnahmen aus dem letzten halben Jahr anführen, die auf einen Abbau demokratischer Institutionen in Ungarn hinauslaufen“. Schrieb der Philosoph Prof. Laszlo Tengelyi im Januar in einem offenen Brief und warnte vor der Hetzjagd auf Philosophen in Ungarn.
Ein Gespräch mit dem Philosophen Prof. Laszlo Tengelyi
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Kunst und Kultur im Zeichen der Zensur?
Die Situation der Kulturschaffenden in Ungarn
Ungarns Kulturszene befindet sich im Umbruch, seit die Regierung Orbán mit einer Zweidrittelmehrheit regiert. Museumsdirektoren werden ausgetauscht, die Filmförderung von einem Blockbusterproduzenten umgekrempelt und der freien Theaterszene die Basisförderung gestrichen. Anstatt Dialog und Offenheit zu begrüßen, setzt der Ministerpräsident auf nationale Rhetorik. Wie erfahren Schriftsteller und Künstler die neue Situation? Welche Auswirkungen hat das veränderte Klima auf ihr kreatives Schaffen? Der Autor György Dalos und die bildende Künstlerin Lilla von Puttkamer äußern sich über die Lage in ihrem Land.
Ein Beitrag von Dirk Hohnsträter
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Ungarns Medien auf Linie getrimmt
Dem letzten linksliberalen Sender droht jetzt die Abschaltung
Ihre unbegrenzte Machtfülle nutzt die nationalkonservative Regierung von Viktor Orbán auch dazu, die ungarischen Massenmedien auf ihre politische Linie zu bringen: Alle wichtigen Positionen im öffentlich-rechtlichen Hörfunk und Fernsehen wurden mit Anhängern von Orbáns Fidesz-Partei besetzt. Aber auch private Medien sollen praktisch gleichgeschaltet werden, sofern sie nicht ohnehin zum rechten Lager gehören. Noch gibt es einige Medien, die sich auch einen kritischen Journalismus trauen. Wie zum Beispiel das Budapester Klubradio: Der Privatsender sieht sich auch als öffentliches Forum für eine linksliberal gesinnte Hörerschaft. Jetzt droht dem beliebten Politikradio die Abschaltung.
Ein Beitrag von Jan-Uwe Stahr
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Redaktion: Annette Morczinek
Musikzusammenstellung: Jörg Heyd














