Freitag, 20.11.09 um 18:08 Uhr
WDR 3 Resonanzen
Die Welt aus dem Blickwinkel der Kultur
Reform, soziale Bewegung, Polarisierung in den 70ern
Die Niederlande und die Bundesrepublik Deutschland im Vergleich
Grenzen trennen nicht nur, sie bilden auch die Linien, an denen Staaten und Kulturen aufeinander treffen und sich gegenseitig beeinflussen. Das gilt auch für die deutsch-holländische Grenze, die für politische und kulturelle Stimmungen offen ist. Dem Jahr ''1968'' schenkt man sowohl in Deutschland als auch in den Niederlanden viel Aufmerksamkeit. In geringerem Maß nur gilt dies für das darauf folgende Jahrzehnt. In beiden Ländern kamen anfangs reformorientierte Politiker in die Regierungen, dann schlug vor dem Hintergrund der Rezession die Stimmung um. Zur gleichen Zeit entstanden in beiden Ländern neue soziale Bewegungen. In der Bundesrepublik rutschte ein Teil der ''68er'' in den Terrorismus ab. Ob die Entwicklungen beider Länder mehr Parallelen oder Divergenzen aufweisen, das ist das Thema einer Tagung in Münster.
Ein Gespräch mit Friso Wielenga, Direktor des Zentrums für Niederlande-Studien, Münster
Keine Pepperonis aus Bocholt
Ein Kleinkunstpreis bringt großes Geld
Alle zwei Jahre ehrt die Bocholter Bühne Pepperoni für herausragende Leistungen Künstler oder Gruppen, die dort schon auf den Brettern gestanden haben. Mit dem Preisgeld von 15.000,00 Euro sei dies der höchstdotierte Kleinkunstpreis Deutschlands, heißt es. Am Samstag wird dieser "Nordrhein-Westfälische-Kleinkunstpreis" zum 4. Mal verliehen - und zwar an Christoph Sieber, sein Laudator ist Dieter Nuhr. "Das gönn ich Euch" heißt Siebers neues Soloprogramm, das er den Bocholtern vorspielt.
Ein Gespräch mit dem Initiator Klaus Hoffs
Auf verlorenem Posten
Zizek verteilt Anti-Depressiva
Der aus Slowenien stammende Philosoph, Kulturkritiker und Psychoanalytiker Slavoj Zizek hat sich mit seinem neuen Buch „Auf verlorenem Posten“ viel vorgenommen: Er will die Umrisse einer neuen, linken Strategie skizzieren. Dafür untersucht er auf dem Hintergrund des Mauerfalls von 1989, der Anschläge des 11.September 2001, des Klimawandels und der Finanzkrise von 2008 die Herrschaftsverhältnisse, deren ideologische Koordinaten und Auswirkungen. Sein Blick reicht vom Kongo bis nach Island. Im zentralafrikanischen Staat entdeckt Slavoy Zizek hinter einer Fassade ethnischer Konflikte die Konturen des globalen Kapitalismus. Wenige Seiten später sind ihm die Folgen der Finanzkrise in Island und der dort seither rapide angestiegene Verbrauch von Anti-Depressiva ein weiterer Beleg für die Auswirkungen des globalen Kapitalismus.
Eine Rezension von Gerhard Klas
Slavoj Zizek:
''Auf verlorenem Posten''
edition Suhrkamp, Frankfurt/M. 2009
14,-- Euro
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Kleine Fenster in großen Autos
Das Design der Jurrasic Cars
Seit einiger Zeit sind Brillen modisch, deren dunkle Fassungen die Gläser zu engen Schlitzen verengen. Diese zu Sehschlitzen verkommenen optischen Instumente wirken wie Schießscharten. Der Träger kann sein Gegenüber länger und schärfer ins Visier nehmen als es die Regeln der Schicklichkeit erlauben. Wer durch eine solche Brille angeschaut wird, fühlt sich wie das Kaninchen im Blick der Schlange - und bekommt Angst. Eine ähnlich Design-Entwicklung zeigt sich im Rückspiegel bei den neuesten Automodellen. Sie werden immer größer, aber die Fenster schrumpfen, bis sie eines Tages ganz verschwinden werden.
Beobachtungen von Peter Meisenberg
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19.05 bis 20.00 Uhr
Die Steuerung der Automobilkrise
und die Bremskraft der Lobbyisten
Jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland hängt direkt oder indirekt von der Auto-Herstellung ab. Auch deshalb ist es so schwer, die Verkehrs –und Wirtschaftspolitik umzusteuern. Johann-Günther König wirft in seinem neuen Buch Blicke zurück in die Technikgeschichte und entdeckt das Elektromobil wieder, das vom benzin-fressenden Automotor abgehängt wurde. Dass aber der Rückgriff in die Geschichte die Krise bei Opel und Co nicht allein erklärt, das macht der Experte so klar, wie es die Windschutzscheibe sein sollte. Die Umsteuerung der Verkehrspolitik verhindert nicht zuletzt die starke Lobby der schwächelnden Automobilkonzerne. Lobbyisten – das sind die professionellen Interessenvertreter der wirtschaftlichen Macht. Ihr Einfluss auf die Politiker wächst unaufhaltsam, schreibt König: Mehr als 6000 agieren in Berlin, 15 000 in Brüssel, 27 000 in Washington. Kein Wähler hat sie je gewählt – sind sie heimliche Herrscher?
Ein Gespräch mit Johann-Günther König
Johann-Günther König
''Die Autokrise''
zu Klampen, Springe 2009
19,80 Euro
Johann-Günther König
''Die Lobbyisten - Wer regiert uns wirklich?''
Patmos Verlag, Düsseldorf 2007
19,90 Euro
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Das Bröckeln des Nazi-Erbes
Die Zeppelintribüne zwischen Autorennen, Partymeile und Mahnmal
Hitler machte Nürnberg zur Stadt der ''Reichsparteitage'' und nach dem Ende des ''Dritten Reichs'' fanden hier die Kriegsverbrecherprozesse statt. Während die Stadt in Trümmern lag, hatte der fertig gestellte Teil der Nazi-Reichsparteitagsbauten die Luftangriffe der Alliierten fast unbeschadet überstanden. Auch die 350 Meter lange Zeppelintribüne, auf der sich Hitler einst zujubeln ließ. Seit mehr als zehn Jahren wird das Gelände zu Pfingsten Partyzone. Jetzt bittet die Stadt Nürnberg um finanzielle Unterstützung für eine Generalinstandsetzung des Nazi-Erbes, das sich vielleicht besser als Mahnmal eignen würde.
Ein Bericht von Nino Ketschagmadse
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Redaktion: Lothar Fend
Musikzusammenstellung: Michael Kuhlmann

















