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Donnerstag, 15.04.10 um 18:08 Uhr

WDR 3 Resonanzen

Die Welt aus dem Blickwinkel der Kultur

Mit Annette Hager

Musikangaben zu dieser Sendung finden Sie in der Playlist

Das Ende eines Traditionsverlags

Verleger Egon Ammann;  Rechte: KEYSTONE / AYSE YAVAS
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Egon Ammann

Ein Gespräch mit dem Verleger Egon Ammann

„Genie und Wahnsinn“ heißt der letzte Band der Werkausgabe des großen portugiesischen Dichters Fernando Pessoa, den der Verleger Egon Ammann heute Abend in Köln vorstellt. Ammann ist es zu verdanken, dass dieser Meister der literarischen Moderne im deutschsprachigen Raum bekannt gemacht wurde. Doch generell veröffentlichte der Ammann-Verlag fast 30 Jahre lang bedeutende Werke der Weltliteratur erstmals in deutscher Sprache. Egon Ammann hat eine ganze Reihe von Autoren entdeckt und bekannt gemacht, darunter der französische Bestseller-Autor Eric-Emanuel Schmitt, der nigerianische Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka oder der Schweizer Thomas Hürlimann. Doch in diesem Frühjahr erscheinen die letzten Bücher im Ammann Verlag. Der Verleger hat die literarische Welt vor einigen Monaten bereits mit der Nachricht erschüttert, dass er seinen Verlag aufgibt. Am 30. Juni ist definitiv Schluss.

Lesung:
Egon Ammann stellt „Genie und Wahnsinn“ von Fernando Pessoa vor. Der Schauspieler Bodo Primus liest aus dem Werk.
15.4., 19:30 Uhr, Lengfeld’sche Buchhandlung, Kolpingplatz 1, 50667 Köln, www.lengfeldsche.de

Fernando Pessoa: Genie und Wahnsinn. Schriften zu einer intellektuellen Biographie
Hrsg: Steffen Dix und Jerónimo Pizarro
39,95 Euro

Zülfü Livanelis "Veda Atatürk"

Zülfü Livanelis "Veda Atatürk"; Filmplakat

"Veda Atatürk"; Filmplakat

Leben und Werk des „Vaters der Türken“

Mustafa Kemal Atattürk erzählt in verschiedenen Rückblenden aus der Sicht seines Kinderfreundes Salih Bozok. Nach 17jähriger Regieabstinenz meldet sich Komponist und Filmemacher Zülfü Livanelli („Eisenerde – Kupferhimmel“) mit diesem respektvollen Biopic zurück. Formal ausgereift und intensiv gespielt entfaltet er nicht nur das Panorama eines Lebens, sondern auch das der hierzulande vergessenen Geschichte des Ersten Weltkriegs auf dem Balkan.

Eine Filmbesprechung von Lutz Gräfe

"Veda Atatürk", Türkei 2010 
Regie, Drehbuch, Musik: Zülfü Livanelli
Kinostart: 15.04.2010

19.05 bis 20.00 Uhr

Kunstkonsum ist nicht genug

Projekt "2-3 Straßen"; Rechte: Jochen Gerz
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Projekt "2-3 Straßen"

Jochen Gerz’ Kulturhauptstadtprojekt „2-3 Straßen“

Kaum eine Gegend in der Welt habe eine so reiche kulturelle Infrastruktur wie das Ruhrgebiet, findet der Künstler Jochen Gerz. Nur: Man sehe es dieser Gesellschaft nicht an, wir hätten uns zu sehr ans reine Zugucken gewöhnt. Deshalb initiiert Jochen Gerz’ stets Kunstprojekte, bei denen er Menschen einlädt mitzumachen. „2-3 Straßen“ heißt sein aktuelles Projekt, das während des Kulturhauptstadtjahres in Dortmund, Mülheim und Duisburg stattfindet. Er hat Leute eingeladen, hier ein Jahr lang mietfrei zu wohnen. Ausgesucht hat er Viertel, die als Problemviertel gelten. Als Gegenleistung müssen die Zugezogenen ihre Eindrücke in täglichen Notaten festhalten, die am Ende des Jahres in einem Buch veröffentlicht werden sollen. Die neuen Bewohner tun allerdings mehr als nur Schreiben. Christel Wester hat sich in den „2-3 Straßen“ umgeschaut, hat die Neumieter besucht und auch Jochen Gerz getroffen.

Ein Beitrag von Christel Wester

Weniger ist besser!

Design im Zeichen der Nachhaltigkeit

In den 1930er Jahren entwickelte der amerikanische Werbestratege Earnest Elmo Calkins seine Theorie des „consumer engineering“. Danach erhöht man die Nachfrage nach Konsumgütern durch möglichst anspruchsvolle Werbung und eine immanente, „geplante Veralterung“ der Waren: „Nicht das Auftragen von Sachen schafft Wohlstand, sondern einzig der Konsum.“ Was dem Propheten der Wegwerfkultur noch fremd war, ist für die Produktgestalter des 21. Jahrhunderts eine zentrale Herausforderung: Wie vertragen sich ökonomische Zwänge und die Weckung immer neuer Sehnsüchte mit Konsumverzicht und dem Gebot der Nachhaltigkeit? Eine Ausstellung im Design Museum in London zeigt Ansätze zum Ausweg aus dem Dilemma.

Ein Beitrag von Walter Bohnacker

“Sustainable Futures: Can Design Make a Difference?”
Design Museum (London)
13.4.-5.9.2010

Gedichte zum Pflücken

Wiener "Zettelpoet" Helmut Seethaler
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Helmut Seethaler

Der Wiener Zettelpoet Helmut Seethaler

Vor gut 40 Jahren erfand der Wiener Helmut Seethaler ein eigenes literarisches Genre: die Zettelpoesie. Gedichte, kopiert auf Zettel, mit denen Seethaler Laternen, Litfasssäulen oder Pfeiler in U-Bahn-Stationen einwickelt. Ihre Inhalte sind gesellschaftskritisch, prangern Konsum, Gewalt oder Machtmissbrauch an. Ihre Adressaten sind die „normalen“ Menschen, die um Theater oder Museen einen großen Bogen machen. Seethaler konnte sich mit seinem Konzept inzwischen eine große Fangemeinde aufbauen, aber auch eine Feindgemeinde. Bereits über 3000 Prozesse hat der Zettelpoet bereits durchgestanden, wurde nach Berufung aber immer freigesprochen oder musste Geldstrafen entrichten. Seethaler lässt sich davon nicht abschrecken, er macht konsequent weiter. Schließlich muss er von seinen Zettelgedichten auch leben.

Ein Porträt von Thomas Frank

Ungeheuer

Alphabet mit Zeichnern; Buchcover
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Alphabet mit Zeichnern

Die Illustratoren Norman Junge und Nikolaus Heidelbach
Im Museum für Angewandte Kunst in Köln vom 17. April bis 4. Juli 2010

Zwei der renommiertesten Illustratoren Deutschlands, die mit den wichtigsten Illustratoren-Preisen ausgezeichnet wurden, Nikolaus Heidelbach und Norman Junge, liefern sich einen Dialog über ihre Kunst. Erstmals werden in einer Ausstellung die Arbeiten der beiden sehr unterschiedlichen Künstler gegenübergestellt. Mehr als 700 Zeichnungen und Skulpturen zeigen, wie sich vertraute Gestalten wie „Ottos Mops“ oder „Königin Gisela“ in „Ungeheuer“ verwandeln.

Ein Bericht von Barbara Geschwinde

„Alphabet mit Zeichnern. Die Schönen und die Biester von Nikolaus Heidelbach und Norman Junge“
Hrsg.: Thomas Linden
Greven Verlag Köln
19,90 Euro


Redaktion: Terry Albrecht

Musikzusammenstellung: Ulrike Kukula


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