Samstag, 04.02.12 um 16:05 Uhr
WDR 3 Variationen
Mit Klaus Leymann
Heute:
Belächelt, beschimpft, aber unverzichtbar: das Opern-Libretto
- Vor 125 Jahren wurde Verdis "Otello" uraufgeführt
- Im Gespräch: der Chefdramaturg der Frankfurter Oper
Prof. Norbert Abels
Vor 125 Jahren wurde Verdis "Otello" uraufgeführt
Eigentlich ist das kaum vorstellbar: Anderthalb Jahrzehnte lang komponiert der größte Opernkomponist Italiens keine neue Oper. Nach der Kairoer Uraufführung seiner "Aida" 1871 scheint sich Giuseppe Verdi endgültig zu einem Landleben auf sein norditalienisches Gut Sant'Agata zurückzuziehen. Nach dem Tod des verehrten Schriftstellers Alessandro Manzoni komponiert er noch seine große "Messa da Requiem", aber an eine neue Oper wagt er sich jahrelang nicht. Doch sein Verleger Ricordi lässt nicht locker und schickt ihm einen neuen Operntext des vielseitigen Kollegen Arrigo Boito: "Otello" nach dem gleichnamigen Drama von William Shakespeare. Und Verdi beißt an: es ist der Beginn einer kongenialen Partnerschaft, aus der auch noch ein weiteres Werk hervorgehen soll: "Falstaff", ebenfalls frei nach Shakespeare. Die beiden späten Meisterwerke Verdis verhalten sich komplementär zueinander: Auf die große Tragödie des "Otello" folgt fast zwingend Verdis heiter-versöhnlicher "Falstaff". Vor 125 Jahren, im Februar 1887, feierte Verdis "Otello" in der Mailänder Scala seinen Uraufführungs-Triumph.
Ein Beitrag von Ulrich Mutz
Was macht ein gutes Libretto aus?
Im Gespräch: der Chefdramaturg der Frankfurter Oper Norbert Abels
Das Opern-Drama entsteht ganz und gar aus Musik – die "Geburt der Tragödie aus dem Geist der Musik" nannte Nietzsche den Sachverhalt und meinte damit die antike Tragödie und die Opern Richard Wagners gleichermaßen. Aber ganz so autonom ist die Musik nicht; irgendein Gerüst, einen Katalysator braucht es schon, damit ein Musikdrama wachsen und gedeihen kann. Und diese Notwendigkeit bekommt das Libretto heimgezahlt: Es muss sich klaglos jeder Laune der Komponisten fügen und ist selbstredend schuld, wenn die Oper durchfällt.
Hat das Libretto einen besseren Stand, wenn es sich auf hehre literarische Quellen stützt, auf Shakespeare oder Schiller? Sind hochkarätige Dichter auch gute Librettisten? Was überhaupt ist ein "gutes" Libretto? Fragen, die uns Norbert Abels beantwortet, Chefdramaturg der Frankfurter Oper und Professor an der Folkwang Hochschule in Essen. Norbert Abels studierte Literaturwissenschaft, Philosophie, Musikwissenschaft und Judaistik, publizierte zahlreiche Literatur- und musikwissenschaftliche Arbeiten und Monographien und war feuilletonistisch für Berliner Tagesspiegel, Frankfurter Rundschau und FAZ tätig. Neben dramaturgischen Arbeiten in Amsterdam, Tel Aviv, Bayreuth, Wien, London, Paris, Brüssel, Lyon, New York, Barcelona, Hamburg, Essen, Bremen, Graz und Philadelphia arbeitete er mit dem Kabuki-Theater Tokio.

Ohrentheater
Szenen einer Operngeschichte
Autor: Norbert Abels
847 Seiten
Verlag: Axel Dielmann
ISBN: 978 3 86638 008 0
Preis: 28,00€
Redaktion: Eva Küllmer/ Klaus Leymann















