Samstag, 05.11.11 um 16:05 Uhr
WDR 3 Variationen
Mit Klaus Leymann
Heute:
Spontane Einfälle, Musik aus dem Nichts, Abenteuer der Gedanken
Die Kunst der Improvisation
Jazzmusiker und Organisten lernen systematisch, hier und jetzt Musik zu erfinden, ein Thema unentwegt abzuwandeln, auszubauen und mit einer Fülle von Kontrasten zu beleben. Der Rest der Musikwelt hält sich strikt an den vorgegebenen Notentext. Welcher Pianist würde es wagen, eine Beethoven-Sonate mit eigenen Erfindungen zu ergänzen, welcher Sänger würde in einer Wagner-Oper eine Passage eigenmächtig verzieren? Dennoch: Die Fronten zwischen der „freien“ und der „fixierten“ Musik werden allmählich so durchlässig, wie sie es einmal waren, seit der Renaissance und noch zu Zeiten Mozarts. Ausgestorben war die Improvisation auch im 19. Jahrhundert nicht; noch Carl Czerny verfasste zum Thema ein Lehrbuch. Was aber der Pianist und Komponist Michael Gees aus Klavierstücken von Eric Satie macht, dürfte über jedes Lehrbuch hinausgehen. Eine Musik weiterdenken, ihr antworten, ihren Impulsen spontan folgen, während die Grenze zwischen „Original“ und „Neu“ unkenntlich wird – dazu braucht es Mut. Wir hören einem Organisten zu, der jungen Kollegen das Improvisieren beibringt, wir blättern in Carl Czernys Handbuch (aus dem noch Clara Wieck lernte) und reden mit Michael Gees.

ImproviSatie
Improviationen über Werke von Satie
Michael Gees (Klavier)
Label: Challenge Classics
Bestell-Nr.: CC 72512
- Gespräch hören Teil 1
- Gespräch hören Teil 2
Spielen auf Zeit und zur höheren Ehre des Herrn
Organisten gibt es im Hauptberuf oder, dank der so genannten C- oder D-Prüfung, auch im Nebenamt. Eines aber müssen alle Organisten können (und das verbindet sie mit den Kino-Pianisten der Stummfilm-Ära): improvisieren. Liturgische Akte, eine Abendmahlsfeier zum Beispiel, verlangen vom Musiker an der Orgel, spontan kürzere oder längere Zeitstrecken musikalisch zu untermalen. Wie lernt, lehrt und übt man diese Kunst? Tomasz Adam Nowak ist Professor für künstlerisches Orgelspiel und Improvisation an der Hochschule für Musik in Detmold. Nächste Woche lädt er als Juror zu einem internationalen Orgelwettbewerb für Improvisation nach Münster ein. Barbara Overbeck gab er einen Einblick in die hohe Kunst des Improvisierens.
Konzerte
WESTFALIAN IMPRO 4
4. Internationaler Wettbewerb für Orgelimprovisation
in der Lambertikirche in Münster
Veranstalter: Verein Westfalen-Initiative e.V.
- Donnerstag, 10. November 2011 ab ca. 14 bis 20.15 Uhr
Vorrunde (Eintritt frei) - Freitag, 11. November 2011, 19 bis 21.30 Uhr
Finale (Eintritt frei) - Samstag, 12. November 2011, 20 Uhr
Konzert der Juroren J.-B. Dupont (Paris), P. Planyavsky (Wien) und T. A. Nowak (Münster) und Preisverleihung.
(Eintritt 8 €, erm. Schüler/Student)

...in Münster läuten die Glocken
Orgelmusik mit
Tomasz Adam Nowak (Orgel),
Manfred Schneider (Glockenspiel),
Wolfram Schulze (Hornruf)
Label: Musicom
Bestell-Nr.:CD 021017
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Carl Czernys Lehrbuch der Improvisation
Müssten Pianisten – wie alle angehenden Organisten – noch heute das Improvisieren lernen, dann könnten sie ein Buch aus dem Jahr 1829 zu Rate ziehen. Damals war es ein Standardwerk, wenn auch nur eines unter vielen Büchern, das Klavierspielern erläuterte, wie sie spontan zu Erfindern auf dem Klavier werden könnten. Carl Czerny, Beethoven-Schüler, Großproduzent von Etüden und Virtuosenstücken, nannte das Buch „Systematische Anleitung zum Fantasieren auf dem Pianoforte“. Die 111 Seiten quellen über vor Musterbeispielen, die vom Schüler frei zu ergänzen sind. Sie unterscheiden sich nicht wesentlich von Czernys üblichen Kompositionen; sie sind brillant, wohlklingend und gefällig.
Ein Beitrag von Klaus Leymann
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"Ich habe eine belanglose Kindheit gehabt"
Satie, das Meer und die Orgeln von Honfleur
Im Norden Frankreichs liegt die Normandie. Im Mittelalter lebten hier Normannen und Wikinger, von hier aus eroberte Herzog Wilhelm England. Seit dem 19. Jahrhundert ist die Normandie eine beliebte Urlaubsregion. Zwischen Le Havre und Cherbourg findet man grandiose Steilklippen und lange Strände, mittelalterliche Städtchen und mondäne Badeorte wie Deauville und Cabourg. Die Region ist lieblich und rau zugleich. Und berühmt für ihre Küche: mit frischen Muscheln, Cidre, Calvados und Camembert. Landschaft und Licht inspirierten Maler wie Eugène Bodin und Claude Monet, Schriftsteller wie Proust und Baudelaire. Fährt man von Le Havre nach Süden, führt eine gigantische Doppelbrücke über die Mündung der Seine – der Pont de Normandie. Am anderen Ufer liegt das Hafenstädtchen Honfleur. Hier wurde 1866 Alfred Eric Leslie Satie geboren. Christian Kosfeld ist für die WDR3 Variationen nach Honfleur gereist, hat das wundersame Geburtshaus des Komponisten besucht, und die entscheidenden Einflüsse für die Musik Saties gefunden: die Kirchen, Orgeln und Schiffe von Honfleur.
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Redaktion: Eva Küllmer/ Klaus Leymann















