Samstag, 04.09.10 um 18:15 Uhr
Goldberg-Variationen und Organisten und Kapellmeister an San Marco
Goldberg-Variationen (18:05 - 19:00 Uhr)
Von Gela Birckenstaedt
„… aber diese Nro. 30, das Thema, riß mich unaufhaltsam fort … Die Noten wurden lebendig und flimmerten und hüpften um mich her ― elektrisches Feuer fuhr durch die Fingerspitzen in die Tasten ― der Geist, von dem es ausströmte, überflügelte die Gedanken …“ ― so Kapellmeister Kreisler in E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Kreisleriana“ über Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen. Damit war das komplexe und faszinierende Clavierwerk auch in die Literatur eingeführt. Dass Bach es für Graf Hermann Carl von Keyserlingk als Einschlafmusik verfasste, die der Bach-Schüler und Cembalist Johann Gottlieb Goldberg dem Grafen regelmäßig als „Schlummertrunk“ reichte, ist eine (durchaus unterhaltsame) Legende. In Bachs Ausnahme-Zyklus durchläuft eine Aria auf Grundlage eines ostinaten Basses nicht weniger als 30 Variationen. Dabei bedient sich Bach eines breiten kompositorischen Spektrums: vom bodenständigen Volkslied bis hin zu gelehrten polyphonen Techniken.
Die Goldberg-Variationen gelten als eines der schwierigsten Clavierwerke Bachs. Die Vesper stellt sie in unterschiedlichsten Interpretationen vor, darunter Glenn Goulds legendäre Aufnahme von 1955 und Rudolf Serkins Einspielung von ca. 1928 auf dem Welte-Mignon-Reproduktionsklavier. Außerdem erklingen Bearbeitungen des Variationszyklus’ für zwei Klaviere von Joseph Rheinberger und Max Reger sowie für Streichtrio von Dmitry Sitkovetsky.
Goldberg-Variationen
„Clavier Ubung bestehend in einer Aria mit verschiedenen Veraenderungen
vors Clavicimbal mit 2 Manualen“, BWV 988
Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen in Aufnahmen mit Andreas Staier, Céline Frisch, Gustav Leonhardt, Rudolf Serkin und Glenn Gould, sowie Bearbeitungen des Variations-Zyklus’ durch Joseph Rheinberger, Max Reger und Dmitry Sitkovetsky in Aufnahmen mit Yaara Tal & Andreas Groethuysen und dem Goldberg Trio.
Organisten und Kapellmeister an San Marco (19:00 - 20:00 Uhr)
Von Gela Birckenstaedt
Im 16. und 17. Jahrhundert schlug das „musikalische Herz“ Venedigs in San Marco. Egal ob große Kirchenfeste, die Krönung eines Dogen oder andere wichtige Staatsereignisse zu feiern waren ― eine musikalische Umrahmung in der Hauskirche des Dogen gehörte dazu. Ein Zeitzeuge berichtet 1585: „Die Kirche von San Marco war so voller Menschen, dass man keinen Schritt gehen konnte, und eine neue Bühne wurde für die Sänger errichtet und hinzu kam eine tragbare Orgel; und zwar zusätzlich zu den zwei berühmten der Kirche; und die anderen Instrumente machten die schönste Musik, an welcher die besten Sänger und Musiker, die man in der Gegend finden konnte, teilnahmen.“ Da Musik für die Repräsentation Venedigs eine so überaus wichtige Rolle spielte, liegt es auf der Hand, dass man an die Ausführenden allerhöchste Ansprüche stellt. Und so waren fast alle Kapellmeister und Organisten, die nach Adrian Willaert an San Marco eingesetzt waren, Musiker von europäischem Rang. Sie waren nicht nur für die Leitung der hauseigenen Ensembles bzw. für das Spielen der beiden großen Kirchenorgeln zuständig, von ihnen wurden auch passende Neukompositionen für die Feierlichkeiten erwartet.
Die WDR 3 Vesper stellt einige berühmte Kapellmeister und Organisten von San Marco vor.
Giovanni Gabrieli
Toccata
Musica Fiata
Leitung: Roland Wilson
Adrian Willaert
Pater noster – Ave Maria
Currende
Leitung: Erik van Nevel
Giovanni Gabrieli
Kyrie à 12
The Choir of the King’s Consort
The King’s Consort
Leitung: Robert King
Claudio Merulo
La Pazza
Fabio Bonizzoni an der Bizzarri-Antegnati-Orgel
der Chiesa della Madonna di Campagna in Ponte im Veltin (Italien)
Claudio Monteverdi
Dixit Dominus II
The Choir of the King’s Consort
The King’s Consort
Leitung: Robert King
Franceso Cavalli
O bone Jesu, o Jesu amabilis
Carys-Anne Lane, Sopran
Rodrigo del Pozo, Altus
The Parley of Instruments
Leitung: Peter Holman
Giovanni B. Pescetti
Sonata c-moll
Andrea Marcon an der Callido-Orgel
der Kirche San Leonardo in Treviso
Baldassare Galuppi
Laetatus sum
Roberta Invernizzi, Sopran
Lucia Cirillo, Sopran
Sara Mingardo, Alt
Paul Agnew, Tenor
Sergio Foresti, Bass
Körnerscher Sing-Verein Dresden
Dresdner Instrumental-Concert
Leitung: Peter Kopp
Redaktion: Richard Lorber














