Samstag, 20.03.10 um 18:05 Uhr
Marienvesper und Moralische Kantaten und Arien
Claudio Monteverdis Marienvesper (18:05 - 19:00 Uhr)
Von Johannes Zink
Als Giulio Cesare Martinengo 1613 in Venedig starb, wählten die Prokuratoren von San Marco ungewöhnlich schnell einen Nachfolger für sein Amt als Kapellmeister des Markusdoms. Erstaunlicherweise entschieden sie sich für einen Komponisten, in dessen Schaffen die Kirchenmusik bis dahin allenfalls eine untergeordnete Rolle gespielt hatte: Claudio Monteverdi.
Der hatte sich in seinem sich aus seinem unbequemen Dienst am Hof des Herzogs Vincenzo Gonzaga befreit, wo ihm allerlei Repressalien das Leben versauerten, und war auf der Suche nach einer neuen Position. Aber schon früher hatte Monteverdi die Fühler ausgestreckt, ob es ihm nicht anderorts besser ginge als in Mantua. Im Herbst 1610 bereise er Rom in der Hoffnung, dort in päpstliche Dienste treten zu können. Als Probe seiner Kunst brachte er als Widmung an Papst Paul V. zwei Werke mit, in einem Band vereint zum größten zusammenhängenden Komplex seiner Kirchenmusik: Die Messe „in illo tempore“ und die Marienvesper. Ist die Messe ein Schulbeispiel für die an Palestrina ausgerichtete polyphone Strenge der „prima prattica“ so ist die Vesper das Gegenstück dazu: Hier dominiert der Ausdruck, der affektgeladene Sologesang der „seconda prattica“, wie er in der kurz zuvor entstandenen Gattung der Oper gepflegt wurde.
Den Spuren des Musikdramas in Monteverdis Marienvesper will diese Sendung nachgehen.
Ausschnitte aus:
Claudio Monteverdi
Sanctissimae Virgini [...] vespere pluribus
decantandae cum nonnullis sacris
concentibus ad Sacella sive
Principum Cubicula accommodata
„Marienvesper“
SV 206
Interpreten:
La Petite Bande
Leitung: Sigiswald Kuijken
Cantus Cölln
Leitung: Konrad Junghänel
The Monteverdi Choir
Monteverdi Orchestra London
Leitung: John Eliot Gardiner
Kammerchor Stuttgart
Musica Fiata Köln
Leitung: Frieder Bernius
Moralische Kantaten und Arien (19:00 - 20:00 Uhr)
Von Gela Birckenstaedt
Von Maden zerfressen, nur noch Haut und Knochen und ekligen Modergeruch ausströmend − so liegt sie da, die Jungfer in ihrem Sarg, und bereut ihre Eitelkeit und Blindheit zu Lebzeiten. „Ihr Jung- und Frauen kommt, kommt spiegelt euch in mir! Lernt hie, was Hochmut sei, was Stand, Gestalt und Zier! Ihr seht, ich muss davon, mein Leben will sich schließen.“
Heinrich Alberts „Letzte Rede einer vormals stolzen und sterbenden Jungfer“ ist nur eine der vielen moralisierenden Arien und Kantaten aus Barock und Klassik, die dem Menschen seine Unzulänglichkeiten vor Augen und Ohren führen, wie Eitelkeit, Geiz, Übermut, Ungeduld oder fehlende Demut und Gottesfürchtigkeit. Dabei bedienen sich Textdichter und Komponisten einer breiten Palette sprachlicher Bilder und musikalischer Darstellungsweisen. So lassen Georg Philipp Telemanns „Moralische Kantaten“ durchaus immer wieder einmal ein Augenzwinkern „hörbar“ werden. Carl Philipp Emanuel Bachs Chorlied „Der Kampf der Tugend“ dagegen spricht eine empfindsame und zugleich sehr eindringlich-ernsthafte (musikalische) Sprache.
Die Vesper auf WDR 3 präsentiert einen Querschnitt moralischer Kantaten und Arien des 17. und 18. Jahrhunderts, von Hermann Schein über Philipp Heinrich Erlebach bis zu Joseph Haydn.
Heinrich Albert
Es bild ein Mensch ihm niemals ein
aus: Arien oder Melodeyen
Cantus Cölln
Leitung: Konrad Junghänel
Heinrich Albert
Letzte Rede einer vormals stolzen und sterbenden Jungfer
aus: Arien oder Melodeyen
Annette Dasch, Sopran
Mitglieder der Akademie für Alte Musik Berlin
Johann Hermann Schein
Ich bin jung gewesen
Lieblich und schön sein ist nichts
Wem ein tugendsam Weib bescheret ist
aus: Israelis Brünnlein
Weser-Renaissance Bremen
Leitung: Manfred Cordes
Georg Philipp Telemann
Vivace – Vivace
Instrumentalversion der beiden Arien
der Kantate zum ersten Pfingstfeiertag
aus: Harmonischer Gottesdienst
Paul Goodwin, Oboe
Susan Sheppard, Violoncello
John Toll, Cembalo
Lynden Cranham, Violoncello
Carl Philipp Emanuel Bach
Der Kampf der Tugend
Gesualdo Consort
Alexander Weimann, Hammerklavier
Leitung: Harry van der Kamp
Philipp Heinrich Erlebach
Dulde dich, bedrängter Geist
Victor Torres, Bariton
Stylus Phantasticus
Georg Philipp Telemann
Die Hoffnung
aus: Moralische Kantaten
Balletto Terzo
Gottfried August Homilius
Meine Hoffnung steht auf Gott
Jan van Mol an der Balthasar-König-Orgel der Basilica Steinfeld
Joseph Haydn
Wider den Übermut
Niederländischer Kammerchor
Glen Wilson (Hammerklavier)
Leitung: Uwe Gronostay
Redaktion: Richard Lorber














