Samstag, 27.03.10 um 18:05 Uhr
Alte Musik in neuen Interpretationen und „O crux“
Alte Musik in neuen Interpretationen (18:05 - 19:00 Uhr)
Ausgewählte Neuerscheinungen aus dem Bereich Alte Musik von Richard Lorber
Die Art und Weise, in der die „Freitagsakademie“ Händel spielt, würde man relaxt nennen, wenn sie Jazzmusiker wären. Sie hat nichts mehr von der angespannten und angespitzten Spielweise, mit der früher die Alte-Musik-Ensembles auf sich auf merksam machten. Die Lautten Compagney Berlin unter Wolfgang Katschner hat auf ihrer neuen Platte „timeless“ Musik des Minimalkomponisten Philip Glass mit der des Avantgardekomponisten Tarquinio Merula aus dem 17. Jahrhundert zusammengebracht und Gemeinsamkeiten aufgedeckt. Claude-Bénigne Balbastre mixte die Marseillaise und „Ça ira“ in einer einzigen Cembalonummer zusammen und hoffte so, der Guillotine zu entkommen. Er war trotzdem kein musikalischer Opportunist. Elizabeth Farr spielt die Werke des letzten großen französischen Cembalisten dynamisch, klangfarbenreich und artikuliert. Sie vollbringt das Kunststück, dass man in Balbastres Musik in keinem Moment das Hammerklavier vermisst. Der Geiger Gunar Letzbor hat erneut in alt-habsburgischen Archiven gesucht und auf seiner neuen CD kratzbürstig-unkonventionelle Minikonzerte zu Tage befördert, bei denen die Quellen einen „Sign. Mouthon“ als Autor angeben, der eigentlich Lautenist in Paris war. Ein falsche Zuschreibung?
Travelogues of Italy
Georg Friedrich Händel
Delirio amoroso, Kantate für Sopran HWV 99
und andere Werke von Händel, Alessandro Scarlatti und Arcangelo Corelli
Susanne Rydén, Sopran
Die Freitagsakademie
Winter & Winter 9210158-2
timeless
Werke von Philip Glass und Tarquinio Merula
Lautten Compagney Berlin
Leitung: Wolfgang Katschner
Deutsche Harmonia Mundi 88697562982
Claude-Bénigne Balbastre
Musik für Cembalo
Elizabeth Farr
Naxos 8.572034-35
The Mystery of Sign. Mouthon
10 Concerti à 5
Ars Antiqua Austria
Leitung: Gunar Letzbor
Challenge Classics CC72336
Redaktion: Werner Wittersheim
O crux (19:00 - 20:00 Uhr)
Von Helga Heyder-Späth
„Images de la Passion du Christ” – „Bilder der Passion Christi“, so nannte der Schweizer Komponist Frank Martin 1973 einen Zyklus mit Instrumentalwerken. Solche oft sehr persönlichen Auseinandersetzungen mit dem Leidensweg Christi finden sich immer wieder in der Musikgeschichte. Etwa in den Passions-Motetten, die Francis Poulenc in den 1930er Jahren komponierte. Aber auch Martin selbst hatte einige Jahre vor Entstehung seines Instrumental-Zyklus schon einmal sehr eindringlich die Passion Christi betrachtet, als er im Rahmen seines „Maria-Triptychon” das „Stabat Mater“ vertonte, jene mittelalterlichen Verse, die die schmerzerfüllte Gottesmutter Maria am Fuße des Kreuzes zeigen.
Die Vesper stellt expressive Musik des 20. Jahrhunderts vor, die um Maria und um die Passion kreisen. Zugleich sucht sie den Dialog zwischen Alt und Neu, denn eingebettet sind die Werke der Moderne in Musik aus dem 15. Jahrhundert - in die „Missa O crux lignum“ des flämischen Komponisten Antoine Busnois.
Antoine Busnois
Kyrie
aus: Missa O crux lignum
Kapel van de Lage Landen
Leitung: Harry van der Kamp
Francis Poulenc
Tenebrae factae sunt
aus: Quatre motets pour un temps de pénitence
für Chor a cappella
RIAS-Kammerchor
Leitung: Marcus Creed
Karol Szymanowski
Litania do Marii Panny, op. 59
für Sopran, Chor und Orchester
Elzbieta Szmytka, Sopran
City of Birmingham Symphony Choir and Orchestra
Leitung: Simon Rattle
Antoine Busnois
Credo
aus: Missa O crux lignum
Kapel van de Lage Landen
Leitung: Harry van der Kamp
Frank Martin
Image des Rameaux (Palmsonntag)
aus: Polyptyque „Six images de la Passion du Christ”
für Violine und Orchester
Muriel Cantoreggi, Violine
Deutsche Radio-Philharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern
Leitung: Christoph Poppen
Frank Martin
Maria-Triptychon
für Sopran, Violine und Orchester
Juliane Banse, Sopran
Muriel Cantoreggi, Violine
Deutsche Radio-Philharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern
Leitung: Christoph Poppen
Antoine Busnois
Agnus Dei
aus: Missa O crux lignum
Kapel van de Lage Landen
Leitung: Harry van der Kamp
Redaktion: Richard Lorber














