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 Du Bartas

Okzitanische SoundWorld - 18.03.2014

Folk à la provençale

Stand: 18.03.2014, 10:23 Uhr

Vom heutigen Nizza bis Bordeaux, Katalonien bis Piemont sprach man im Mittelalter im Süden Frankreichs Okzitanisch. Auch die provenzalischen Troubadoure dichteten und sangen in dieser Sprache, entstanden aus umgangssprachlichem Latein.

Ein knappes Jahrtausend später entdecken südfranzösische Folkmusiker diese Sprache und das Repertoire ihrer Vorfahren neu. Hauptinitiator der Bewegung ist der Marseiller Sänger Manu Théron. Seit rund zwanzig Jahren widmet er sich dem okzitanischen Liedgut, vor allem dem Werk der Trobaires marselhes - Sänger-Poeten vor gut einem Jahrhundert in seiner Heimatstadt -, die antiklerikale und antimilitaristische Volks- und Arbeiterlieder sangen.

Ihr Provenzalisch war geprägt vom urbanen Moloch Marseille und nannte soziale Missstände unverblümt beim Namen. Manu Théron möchte die von ihm polyphon arrangierten Lieder auch einem neuen Publikum fernab des Folklore-Betriebs erschließen, auf Punk und Reggae-Konzerten, in Musikkneipen und Gefängnissen. Nicht verwunderlich also, dass Manu Théron und sein A-cappella-Ensemble Lo Còr de la Plana heute eine junge Generation von Folkmusikern und Rappern inspirieren.

Der Liedermacher und Mandolinist Sam Karpienia, der Akkordeonist Laurent Cavalié, das Frauen-Ensemble La Mal Coiffée und das Quintett Du Bartàs - alles Musikerinnen und Musiker, die ihre okzitanischen Wurzeln mit Folk, Rock, Swing, Hip Hop, Reggae, Rap, Afro-Beat und Elektronik verbinden und das Erbe der provenzalischen Trobadors facettenreich und dynamisch weiterentwickeln.

Autorin: Helena Rüegg

Redaktion: Werner Fuhr